N ORDIC C OUNTRIES Nordic Countries November 2007 Office Stockholm Västmannagatan 4 11124 Stockholm Tel. 004684546592 Fax: 004684546595 email: info@fesnord.se 6- 2007 Nationaler Notfall in Finnland: Krankenschwestern kämpfen mit harten Bandagen Von Jakko Kiander ∗ Für einen Moment schien es, als wäre Finnland nur einen Herzschlag vom nationalen Infarkt entfernt. Etwa 13.000 Krankenschwestern drohten mit zeitgleicher Kündigung, um ihre Forderung nach einer überdurchschnittlichen Gehaltserhöhung durchzusetzen. Das Militär wurde zur Evakuierung von Notfallpatienten mobilisiert, mit deutschen Krankenhäusern Notfallpläne für Kinderoperationen erarbeitet. Buchstäblich in letzter Sekunde konnten die Konfliktparteien am 19. November eine Einigung erzielen. Obwohl also die Notfallpläne erst einmal wieder in den Schubladen verschwanden, bleibt abzuwarten, welche langfristigen Auswirkungen dieser ungewöhnliche Tarifkampf auf das finnische Modell der Tarifautonomie haben wird. Hintergrund des Konflikts ist die angespannte Situation im Pflegebereich. Eine langfristig verfehlte Personalpolitik hat zu chronischem Personalmangel und unterdurchschnittlichen Gehältern geführt. In dem Versuch, öffentliche Ausgaben rigide zu kontrollieren, wurde seit langem kein neues Personal im Gesundheitsbereich angestellt, statt dessen wurden nur noch zeitlich befristete Arbeitsverträge geschlossen. Dies führte zu einer Überlastung des vorhandenen Personals, dem gleichzeitig nur noch unsichere Zukuftsaussichten geboten wurden. Als eine Reaktion auf den Pflegenotstand waren in den vergangenen Jahren bereits viele finnische Krankenschwestern in die nordischen Nachbarländer und nach Grossbritannien ausgewandert, wo die Gehälter im Durchschnitt 20 Prozent höher sind. Ein weiterere Grund für die Unzufriedenheit der Krankenschwestern(und auch von vielen anderen weiblichen Angestellten des öffentlichen Dienstes) ist, dass ihre Qualifikation sich nicht auszahlt. Zahlreiche männlichen Kollegen mit gleicher Qualifikation oder vergleichbarer Qualifikation verdienen im privaten Sektor erheblich mehr. Direkter Auslöser der spektakulären Aktion war aber wohl ein im Wahlkampf gemachtes Versprechen, welches nun von den Krankenschwestern eingefordert wurde. ∗ Dr. Jakko Kiander ist Direktor des Labour Institute for Economic Research in Helsinki.
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Nationaler Notfall in Finnland : Krankenschwestern kämpfen mit harten Bandagen
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