j~á=OMMU= Yesko Quiroga Vom Vorbild zum Reformfall: Chile reformiert sein privates Rentenversicherungssystem Chile blickt auf 26 Jahre Erfahrung mit einem privaten Rentenversicherungssystem zurück. Sein Weg eines radikalen Wechsels von einem staatlichen Umlagesystem zu einem individuellen und privat verwalteten obligatorischen Kapitaldeckungsverfahren wurde auf der ganzen Welt von den Befürwortern eines Systemwechsels als Beispiel für ähnliche Reformen angeführt. Doch die wichtigsten Versprechen - bessere Renten, ein höherer Deckungsgrad und gesellschaftlich sowie individuell niedrigere Kosten sind nicht eingehalten worden. Im Gegenteil, das private Rentensystem produziert zunehmend Altersarmut und Ungleichheit. Das wichtigste Reformprojekt der für mehr soziale Gerechtigkeit angetretenen Regierung unter Präsidentin Michelle Bachelet stellt daher die Umsetzung einer Rentenreform dar. Die Rentenreform der Diktatur: 26 Jahre später Drei Jahre nach dem Putsch von 1973 wurde von der chilenischen Militärdiktatur eine radikale Reform des staatlichen Rentensystems in Angriff genommen. Ziel war der Aufbau eines privat verwalteten individuellen Kapitaldeckungsverfahrens und die Auflösung des existierenden Umlageverfahrens. Eingeführt wurde das neue System allerdings erst Ende 1981 durch ein Gesetzesdekret, dem jegliche demokratische Legitimation fehlte. Die Diktatur versuchte ihrerseits, die Reform durch radikale Kritik am bestehenden System zu legitimieren. Argumente ideologischer Natur vermischten sich mit real vorhandenen Problemen. Das niedrige Rentenniveau und zunehmend auftretende Finanzierungsschwierigkeiten einer Vielzahl von parallel existierenden Kompensationskassen wurden als systemimmanent charakterisiert. Verursacher aber waren häufig spezifische und korrigierbare Parameter. Jaime Ruiz Tagle, eines der Mitglieder der Präsidialkommission zur Reform des Rentensystems kommt heute zu dem Schluss, dass eine Reform des Umlagesystems durchaus möglich gewesen wäre. Seit 1982 aber waren alle Arbeitnehmenden gezwungen, dem neuen privaten Rentensystem beizutreten. Ausnahmen bildeten lediglich die Streitkräfte und die Polizei sowie wenige Beitragszahler, die bei der Umstellung im alten System des Umlageverfahrens verblieben waren. Noch vor sechs Jahren hatten Kritiker des chilenischen Rentenmodells mit heftigstem Gegenwind zu rechnen. Das Kapitaldeckungsverfahren mit obligatorischer Beitragsleistung wurde als Erfolgsmodell international propagiert sowie kopiert und war zudem fest in dem nicht nur in Chile geteilten Glauben verankert, dass der Markt als Ordnungsfaktor auch im Bereich der Renten optimale Ergebnisse herbeiführt. Die Realität stellt sich jedoch heute weitgehend anders dar. Keines der damals formulierten Ziele wurde erreicht. Gesellschaftliche Kosten Die Umstellung vom alten Umlageverfahren auf das neue System verursacht bis heute hohe Transitionskosten. Das Defizit des öffentlichen Rentensystems, das durch die Fortzahlung der Renten des alten Systems, durch die Über1
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Vom Vorbild zum Reformfall : Chile reformiert sein privates Rentenversicherungssystem
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