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Debatte paradox: die britische Staatsbürgerschaft
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Blickpunkt Großbritannien Büro London The Chandlery Office 609 50 Westminster Bridge Road GB London SE1 7QY Tel 00 44 20 77 21 87 45 Fax 00 44 20 77 21 87 46 www.feslondon.org.uk Mai 2008 Debatte paradox: die britische Staatsbürgerschaft In dem Versuch, die historisch-juristische Komplexität des Konzeptes Staatsbürger­schaft im britischen Kontext zu überwinden, steckt die derzeitige Labour-Regierung fest zwischen einem wieder entdeckten Verständnis seiner sozialen Bindungsfunktion und einem Politikvorschlag, der von der veralteten Sicht von Staatsbürgerschaft als Belohnung für Assimilation durchdrungen ist. Sie muss zwei komplett unterschiedli­che Diskurse auseinander halten, um eine Politik formulieren zu können, die sowohl in Bezug auf existierende Staatsbürger, als auch auf Neuankömmlinge kohärent ist. Anne Bostancı Einleitung Die aktuelle britische Debatte um Staatsbürgerschaft oder Staatsangehörig­keit verbindet eine Vielfalt juristischer, sozi­aler und politischer Argumente. Aufgrund von komplizierten historischen und juristi­schen Eigenheiten dieses Konzepts und den andauernden Bemühungen des Lan­des, mit seiner vergangenen und gegen­wärtigen sozialen und kulturellen Realität (inklusive der Streitfrage Immigration) zu­recht zu kommen, fällt es der aktuellen Re­gierung trotz zahlreicher Bemühungen wei­terhin im Theoretischen wie im Praktischen schwer, einen kohärenten Politikansatz zum Thema Nationalität und Staatsbürger­schaft zu formulieren. Trotz der Bemühun­gen Labours über 10 Jahre, bürgerliche und demokratische Beteiligung zu fördern, scheint diese Unfähigkeit zu immer größe­rer öffentlicher Verwirrung und Verwechs­lung dieses Themas mit der Einwande­rungsdebatte und gleichzeitig zu immer simplistischeren Argumenten über Zugehö­rigkeit zu führen, die sich schockierend­erweise auch in den Politikvorschlägen der Regierung zeigen, obwohl dieser alter­native, akkuratere und verständigere Kon­zepte vorliegen. Das vorliegende Papier skizziert zu­nächst die gründlich verwirrende historische Entwicklung von britischer Nationalität und Staatsbürgerschaft. Hierbei ist es wichtig, zu beachten, dass dieser knappe histori­sche Überblick kaum der Menge an Beson­derheiten gerecht werden kann, die das ju­ristische Konzept enthält, sondern haupt­sächlich dazu dient, seine Komplexität und