Internationale Politikanalyse International Policy Analysis Jürgen Kahl Länderanalyse: Japan zwischen Reformverdrossenheit und Veränderungsdruck Mit dem G 8-Vorsitz, den Tokio von der Bundesregierung in Berlin übernommen hat, und der Ausrichtung des Gipfeltreffens Anfang Juli in Hokkaido rückt die aktuelle politische und sozioökonomische Entwicklung in Japan verstärkt in den Blickpunkt des internationalen Interesses. Die Führungskraft bei der Lösung der globalen Probleme, die die Regierung Fukuda in dieser Rolle unter Beweis stellen will, wird jedoch von anhaltenden innenpolitischen Turbulenzen überschattet. Verglichen mit dem Durchsetzungsvermögen, mit dem der frühere Regierungschef Koizumi den Strukturwandel vorangetrieben hat, sind die regierenden Liberaldemokraten in einen akuten Schwächezustand zurückgefallen. Der Verlust der Koalitionsmehrheit im Oberhaus an die Opposition setzte der Amtszeit des Koizumi-Nachfolgers Abe ein jähes Ende. Die gegensätzlichen Mehrheiten in beiden Kammern des Parlaments haben zu einer politischen Lähmung geführt, die vorgezogene Unterhaus-Neuwahlen voraussichtlich unumgänglich macht. Außerdem machen der Regierung Fukuda die sozialen Folgen des Strukturwandels zu schaffen. Der Reformverdrossenheit in der Bevölkerung steht auf der anderen Seite dringender Handlungsbedarf beim Abbau der hohen Staatsverschuldung und bei der Lösung der demographisch bedingten Probleme gegenüber. In der Außen- und Sicherheitspolitik ist Fukuda auf Distanz zu dem nationalen Neokonservatismus seiner Vorgänger gegangen. Der Pflege des Bündnisses mit den USA hat Fukuda eine aktivere japanische Asienpolitik zur Seite gestellt und ein konstruktives Verhältnis zu China zu seinem besonderen Anliegen gemacht. MAI 2008
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Länderanalyse: Japan zwischen Reformverdrossenheit und Veränderungsdruck
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