„Die Landesherren“ – Ein Abgesang auf die Siedlungsutopie Im Vorwort zu„Adonei Haaretz“(„Die Landesherren“) teilen uns die Autoren mit, daß das vorliegende Werk die erste umfassende Studie zum Projekt der jüdischen Besiedlung der von Israel besetzten Gebiete sei. In der Tat handelt sich um ein sehr umfangreiches, wichtiges Werk, unerläßlich für das Verständnis des Phänomens der jüdischen Besiedlung Judäas, Samarias(Westjordanland) und des Gazastreifens. Das Siedlungsphänomen gehört zu den prägenden Elementen der heutigen israelischen Realität. Zweifellos beeinflußt keine andere Bevölkerungsgruppe – gemessen an ihrer Größe – unser Leben auf sämtlichen Ebenen, in der Politik, in der Wirtschaft und in den Belangen der Sicherheit, so stark wie die Siedler. Diese Gruppe zählt wohlgemerkt nur rund 250.000 Personen, die wiederum mehrheitlich sogenannt nicht ideologische Siedlungen wie Ariel und Maale Adumim bewohnen, primär aus wirtschaftlichen Erwägungen. Die Autoren sind sich dieser Tatsache offensichtlich bewußt und konzentrieren sich in ihrer Studie auf den zahlenmäßig relativ begrenzten harten ideologischen Siedlerkern, auf die Gruppe der führenden Aktivisten, denen es mit unermüdlichem Einsatz, beeindruckender Risikobereitschaft und durch brillanten Umgang mit den Instrumenten der Politik, der Ideologie, der öffentlichen Meinung und der Medien gelungen ist, einen ganzen Staat hinter sich in das Siedlungsabenteuer zu stürzen. Es geht den Autoren, Akiva Eldar und Idit Zertal, aber nicht um eine nüchterne, sich mit Einzelheiten beschäftigende Beschreibung des Siedlungsphänomens. Zahlen, Tabellen und anderes statistisches Material sind dünn gesät. Dennoch fehlt es nicht an wissenschaftlicher Vertiefung. Jede Behauptung ist durch Tatsachen und Zitate belegt. Vereinfacht ausgedrückt, fragen die Autoren nicht nach dem„was“, sondern nach dem„wie“. Insofern wäre dieses Werk eher dem Bereich Staatswissenschaften bzw. Politologie zuzurechnen als dem Fach Geschichte, und dementsprechend ist auch sein Aufbau. Beispielsweise liefert das Buch eine gründliche Analyse der Ideologie von„Gush Emunim“ und deren Wurzeln, nimmt jedoch kaum Bezug auf den wirtschaftlichen Preis des Besiedlungsunternehmens, da dieser Aspekt weder Aussagen liefert über die Beschaffenheit der Beziehungen zwischen der israelischen Gesellschaft und Politik, einerseits, und den Siedlern, andererseits, noch darüber, wie es möglich war, daß wir so tief in den Siedlungssumpf eingesunken sind. Die Untersuchung des wirtschaftlichen Aspekts dieses Phänomens hätte vielleicht dazu beigetragen, unsere jahrelange Blindheit zu verdeutlichen, sie aber nicht erklärt. Wir brauchen Antworten auf diese Fragen, und Eldar und Zertal liefern sie uns.
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