Abteilung Internationaler Dialog Zehn Thesen zur Europäischen Nachbarschaftspolitik(ENP) Vorbemerkung: Der politische Diskurs zur Europäischen Nachbarschaftspolitik in Deutschland ist im Kern die Verständigung über die Entwicklung und Vertiefung dieser noch jungen EU-Politik nach Osteuropa. Ziel und Richtung dieses laufenden Prozesses werden durch die anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 vorgelegte ENP-Plus-Strategie vorgegeben. Die folgenden Thesen beziehen sich daher in ihrer Mehrzahl und Reichweite auf die östliche Dimension der ENP. 1. Die ENP braucht mehr politische und öffentliche Aufmerksamkeit. Die Europäische Nachbarschaftspolitik hat bis heute und damit rund 4 Jahre nach ihrer Einführung ein Imageproblem. Sie wird weder in der EU-27 noch in den 16 ENP-Partnerstaaten selbst ausreichend wahrgenommen. Die geringe Aufmerksamkeit gegenüber der ENP spiegelt sich auch in einer nur sporadischen und lückenhaften Berichterstattung öffentlicher Medien wieder. Die ENP braucht, um erfolgreich zu sein, daher mehr»Sichtbarkeit«. Ein intensiver als bisher geführter öffentlicher Diskurs mit den beteiligten Akteuren innerhalb der EU sowie zwischen EU und Partnerstaaten kann dazu beitragen. Die Abteilung Internationaler Dialog der Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet schwerpunktmäßig zu den Perspektiven der Europäischen Wirtschaftsund Sozialpolitik, der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, der Europäischen Nachbarschaftspolitik und der internationalen Energiesicherheit. Die vorliegenden Thesen sollen einen Beitrag zur politischen Verortung des Themenfeldes leisten sowie zukünftige Herausforderungen und Arbeitsfelder umreißen. 2. Die EU muss das bisherige Implementierungsdefizit in der Nachbarschaftspolitik durch mehr Dialog- und Kooperationsangebote schrittweise überwinden. Eine Zwischenbilanz der bisherigen ENP zeigt, dass die mit der ENP verbundenen Angebote der EU nicht von allen 16 Partnerländern in gleichem Maße angenommen werden(Ausnahme die»Vorzeigeländer« Ukraine und Marokko). In der Mehrzahl der Partnerstaaten hingegen stößt die ENP auf ein Implementierungsdefizit, das eine Überprüfung der ENP-Instrumente und-Angebote notwendig macht. Insbesondere bedarf es dazu, neben verstärkter Anstrengungen seitens der Partnerstaaten selbst, des gemeinsamen politischen Willens der EU-27, den Partnerstaaten verstärkte Anreize anzubieten und den Dialog mit ihnen in wichtigen Themenfeldern auszubauen, insbesondere in den Wirtschaftsund Handelsbeziehungen(nach dem Konzept»tiefgreifender Freihandelsabkommen«), zur Erleichterung des Personenverkehrs und Steuerung der Migration, für mehr direkte Kontakte zwischen den Menschen(»people-to-people«) sowie zum Ausbau der politischen Zusammenarbeit. 3. Die Nachbarschaftspolitik der EU braucht mehr Differenzierung in ihren Instrumenten und gegenüber den ENPPartnerstaaten. Eine Ausweitung der Kooperationsfelder zwischen EU und Partnerstaaten wird das Implementierungsproblem der ENP aber nicht beheben, sondern ausweiten, allenfalls verlagern. Zur Weiterentwicklung der Nachbarschaftspolitik braucht es daher vor allem mehr instrumentelle und politische Differenzierung: ein individuelles fine-tuning der Aktionspläne(keine AUGUST 2008
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