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Indien: Wachstumsschwäche und Inflation : ist der Boom zu Ende?
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September 2008 Indien: Wachstumsschwäche und Inflation ­Ist der Boom zu Ende? Dr. Dr. Peter Gey, FES Neu Delhi Das Wachstum der indischen Wirtschaft, das in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich rund 9 Prozent betragen hatte, verlangsamte sich in den letzten Monaten und wird sich in diesem Jahr auf voraussichtlich 7,0 bis 7,5 Prozent abschwächen. Gleichzeit stieg die Inflati­onsrate zwischen Ende 2007 und August 2008 von 3,5 auf über 12 Prozent. Dem Versuch der Zentralbank, den Preisauftrieb durch Anhebungen von Leitzins und Min­destreservensatz zu drücken, steht die massive Subventionierung zahlreicher Verbraucher­preise durch die Regierung entgegen. Steigende Zinsen für Kredite und Hypotheken dämp­fen die Nachfrage und damit auf absehbare Zeit auch das Wirtschaftswachstum. In Indien war der Ausbau von zwei Bereichen, die für die Entwicklung eines Landes aus­schlaggebend sind, nämlich Infrastruktur und Bildungswesen, jahrzehntelang vernachlässigt worden. Das rasante Wachstum während des Booms 2003 bis 2007 verschärfte die Engpäs­se in diesen beiden Bereichen noch. Die seit 2004 regierende Kongresspartei hatte für wichtige Reformen keine politische Mehr­heit. Nach den Wahlen im Frühjahr 2009 kommt es darauf an, das unhaltbare Haushaltsdefi­zit abzubauen, nachhaltige Entwicklungsmaßnahmen im Infrastruktur- und Bildungsbereich durchzuführen, Staat und Verwaltung zu modernisieren und die seit über zwei Jahrzehnten sich hinziehenden Reformen fortzusetzen. Dazu bedarf es einer starken Mehrheit im Parla­ment. Seit einigen Jahren werden Indiens Wirtschaft glänzende Aussichten zugeschrieben. Doch Mitte 2008 hat sich das Bild deutlich einge­trübt. Die Wirtschaft wächst langsamer als erhofft, und gleichzeitig steigen die Preise schneller als gedacht. Die Frage ist, ob Indiens Wirtschaft in den vergangenen Monaten nur eine vorübergehende Schwäche hatte oder ob dies der Anfang vom Ende des erst vier Jahre währenden Booms war. Die Wachstumsdynamik lässt nach Als Ende August die Wirtschaftszahlen für das 2. Quartal 2008 bekannt gegeben wurden, musste Indiens Regierung einräumen, dass das Wirtschaftswachstum an Fahrt verloren hatte: Die Zunahme des Bruttoinlandsproduktes(BIP) hatte sich von 9,2 Prozent im 2. Quartal 2007 auf 7,9 Prozent im 2. Quartal 2008 verlangsamt. Nach Sektoren betrachtet, ging das Wachstum in der Landwirtschaft um ein Drittel von 4,4 auf 3,0 Prozent und in der Verarbeitenden Industrie um die Hälfte von 10,9 auf 5,6 Prozent zurück. Besonders schlimm erwischte es die Kapitalgü­terindustrie, die Maschinen und Anlagen für die übrigen Wirtschaftsbereiche liefert und daher ein wichtiger Gradmesser für die künftige Ent­wicklung in der Industrie und im Infrastrukturbe­reich ist. Hier verringerte sich das Wachstum von 19,1 Prozent im 2. Quartal 2007 auf 6,5 Prozent im 2. Quartal 2008. Lediglich im Dienstleistungs­sektor wurde im 2. Quartal mit 11,2 Prozent gegenüber 13,1 Prozent im Vorjahr noch ein