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Migration, Wahlkämpfe und Medien
Entstehung
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Oktober 2008 direkt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Migration, Wahlkämpfe und Medien Karl-Heinz Meier-Braun 1 Auf einen Blick Den Medien kommt eine wichtige Rolle zu, was die viel beschworene Integration angeht. Sie können Vorurteile verstärken oder abbauen helfen. Es mangelt noch an grund­sätzlichen Informationen und Hintergrund­berichten. So wird bei Umfragen die Zahl der Ausländer in Deutschland weit überschätzt, oft sogar noch eine doppelt so hohe Anzahl angegeben, wie sie der Wirklich­keit entspricht, und das selbst von Personen, die keine Vorbehalte gegenüber Ausländern hegen. Gerade diese Überschätzung könnte aus der dramatisierten Darstellung des Aus­länderthemas in Politik und Medien vor allem in Wahlkämpfen resultieren. Einfluss der Medien Wenn von der weltweiten Migration in den Medien die Rede ist, steht oft das Bedrohliche im Vorder­grund.Ansturm auf die Wohlstandsfeste,An­sturm der Armen,Sturm auf Europa so lauteten beispielsweise Schlagzeilen von Nachrichtenmaga­zinen. Bei der Begriffswahl und Sprache in den Mi­grationsberichten haben sich Ausdrücke aus der Welt des Militärischen oder gar des Verbrechens ein­geschlichen. Insgesamt besteht die Gefahr, dass die Medien das alte FeindbildBedrohung durch den Kommunismus durch ein neues, nämlichBedro­hung durch die neue Völkerwanderung bzw. durch den Islam ersetzen. Viel wichtiger wäre es jedoch, wenn die Medien über die Fluchtursachen aufklären und immer wieder deutlich machen würden, dass sich das Weltflüchtlingsproblem auf der südlichen Halbkugel und nicht bei uns abspielt. Die drama­tischen Bilder vonArmutsbootsflüchtlingen im Mittelmeer weisen aber sehr eindrucksvoll auf die Ausläufer des Dramas hin und können über die Me­dien das Bewusstsein für das Problem schärfen und Fluchtursachen deutlich machen. Manchmal wird allerdings der Eindruck erweckt, Migranten und Flüchtlinge seien das Problem, und nicht Kriege, Konflikte und der Nord-Süd-Gegensatz. Es wäre fa­tal, wenn Migranten und Flüchtlinge zu Sünden­böcken für weltweite und innerstaatliche Probleme wie Massenarbeitslosigkeit gemacht würden.