November 2008 Biodiesel aus Palmöl und nachhaltige Produktion in Indonesien – ein Widerspruch in sich? Christina Schott, Südostasienkorrespondentin weltreporter.net, Jakarta • Indonesien will seine Palmölproduktion immens ausweiten in der Hoffnung, dass die Quotenregeln von Biokraftstoffen in Industrieländern neue Exportmärkte schaffen. • Infolge der harschen Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsgruppen fordern viele EU-Staaten allerdings nun eine Zertifizierung von Palmöl, das einen nachhaltigen Anbau bescheinigt. • Der Roundtable on Sustainable Palm Oil, eine Industrie-geführte Initiative, hat in diesem Jahr mit dem Zertifizierungsprozess begonnen. Mehrere EU-Staaten arbeiten an eigenen Systemen. • Greenpeace fordert ein nationales Moratorium gegen jegliche weitere Zerstörung von Wäldern in Indonesien, das seit Mai von Unilever unterstützt wird, dem größten Palmölkäufer der Welt. Bislang sind dem Aufruf nur einige Provinzgouverneure gefolgt, und das mit Einschränkungen. • Umweltgruppen kritisieren, dass ein Zertifikat lediglich ein„Greenwashing“ für eine zerstörerische Industrie bedeute und fordern weitergehende Strukturänderungen, wie etwa Investitionen in andere alternative Energien. Ausweitung der Palmölproduktion in der Hoffnung auf neue Exportmärkte Es wird ernst: Fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle werden immer knapper – und infolgedessen auch immer teurer. Angesichts der explodierenden Preise hat sich die Diskussion um alternative Energiequellen sehr schnell intensiviert. Die Industrieländer haben in den vergangenen Jahren zunehmend große Hoffnung auf nachwachsende Rohstoffe gesetzt, die zu Biodiesel oder Bioethanol weiterverarbeitet werden können. Anfang 2007 legte die Europäische Union fest, dass bis zum Jahr 2020 zehn Prozent aller Brennstoffe aus pflanzlichen Rohstoffen bestehen sollten. Die landwirtschaftlichen Flächen in Europa können jedoch nur einen Bruchteil der benötigten Pflanzenöle liefern, der Rest muss daher aus anderen Ländern importiert werden. Viele Entwicklungsländer haben darin ihre große Chance auf neue Exportmärkte entdeckt. So auch Indonesien, das im vergangenen Jahr Malaysia als größten Palmölproduzenten der Welt abgelöst hat – erst recht nachdem der Palmölpreis sich seit 2006 bis Mitte 2008 beinahe verdoppelt hatte:„Palmöl spielt in Indonesien eine strategische Rolle“, erklärt Mukti Sardjono, der für Plantagen zuständige Generaldirektor im indonesischen Agrarministerium. „Palmöl bringt dem Staat Devisen, es bringt den Bauern Einkünfte, es schafft Arbeitsplätze und es fördert die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen.“ Aus diesen Gründen will die indonesische Regierung die Anbauflächen für die ertragreichste Ölpflanze der Welt weiterhin ausdehnen. Bis zum Jahr 2010 sind offiziell 8,2 Millionen Hektar geplant, inoffiziell ist die Rede gar von 20 Millionen Hektar bis zum Jahr 2025. Das entspricht einer Fläche so groß wie England, die Niederlande und die Schweiz zusammen. Die Hälfte davon soll in Kalimantan entstehen, dem indonesischen Teil der Insel Borneo und einer der letzten Lebensräume für viele bedrohte Tierarten wie den Orang Utan. Obwohl der Großteil des Palmöls in die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie fließt, hoffen die meisten Plantagenbetreiber in der Zukunft vor allem auf neue Abnehmer aus der wachsenden Biodieselbranche. Tatsächlich werden
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Biodiesel aus Palmöl und nachhaltige Produktion in Indonesien : ein Widerspruch in sich?
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