Wahlen in Afghanistan 2009 und 2010: Legitimationsdefizit und Eigendynamik wahltaktischer Maßnahmen Citha D. Maaß, 23. November 2008(im Auftrag der FES) Ausgangssituation Sowohl die UNAMA(United Nations Assistance Mission in Afghanistan) als auch die USA halten an verfassungsgemäßen Präsidentschaftswahlen im Herbst 2009 und Parlamentswahlen im Sommer 2010 fest, obwohl die Sicherheitslage in Afghanistan die Durchführung von Wahlen in einigen Landesteilen voraussichtlich verhindert und dadurch die Legitimation der Wahlgänge schwächt. Politisch brisant sind die für Oktober 2009 erwarteten Präsidentschaftswahlen. Die entscheidende Frage lautet, ob Präsident Hamid Karzai trotz der zunehmenden Kritik an seiner schlechten Regierungsführung wieder gewählt oder ob ein alternativer Kandidat von der neuen US-Administration und der internationalen Gemeinschaft unterstützt wird. Folgende dringende Aufgaben stehen an: • den fortschreitenden Afghanisierungsprozess im positiven Sinn zu fördern, indem • Reformeliten in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden, • die afghanische Armee mit eigenständigen Sicherheitsaufgaben betraut und • die wirtschaftliche Entwicklung in Gang gebracht wird(Priorität: für die Millionen von arbeitslosen Jugendlichen Arbeitsplätze durch wirtschaftlichen Aufbau zu schaffen). Mit wahltaktischen Schritten verschiedener Kandidaten einschließlich Präsident Karzai wie beispielsweise fragile Zweckallianzen mit anschließenden Konzessionen an Regionalfürsten und islamistische Politiker oder Stillhalteabkommen mit aufständischen Gruppen auf lokaler Ebene sowie Geheimverhandlungen mit der Führung der Neo-Taleban ist zu rechnen. Daraus könnte sich eine Eigendynamik entwickeln, die in Verbindung mit steigender Militanz gegen internationale Vertreter und Soldaten die Akzeptanz von ausländischen Experten und internationalem Militär sinken lässt. Die Folge wäre eine beschleunigte Afghanisierung des politischen Systems im negativen Sinn: politische Verantwortung wird von einem autokratisch herrschenden Präsidenten im Zusammenspiel mit rehabilitierten Machteliten monopolisiert und die Kluft zwischen Privilegierten und denjenigen, die von den reorganisierten Patronagesystemen ausgeschlossen sind, wird vertieft. Die künftige Afghanistan-Politik des neuen USPräsidenten Barack Obama, die Analyse langfristiger strategischer Interessen der USA im Umfeld Afghanistans und die konfliktträchtigen Auswirkungen der defizitären Wahlgänge betreffen unmittelbar außen- und sicherheitspolitische Interessen Deutschlands. Die Amtsübergabe in Washington bietet eine Chance, • die Prioritäten des deutschen Engagements in Afghanistan zu revidieren, • Deutschlands nationale Interessen an einem weiteren Einsatz zu konkretisieren und ihn angesichts der veränderten Realitäten in Afghanistan neu zu begründen, • die notwendigen Rahmenbedingungen seitens der NATO, UN und EU, aber auch der afghanischen Regierung zu definieren, unter denen Deutschland seinen Beitrag zu den multilateralen Stabilisierungs- und Aufbauanstrengungen leistet. Eine öffentliche Debatte wird als notwendig erachtet, um das deutsche Engagement aus der parteipolitischen Kontroverse im Bundestagswahlkampf im Herbst 2009 herauszuhalten und es zu einem Ω ÄÉêé~êíÉáäáÅÜÉå å~íáçå~äÉå=^åäáÉJ ÖÉå= zu machen. Festhalten am Wahlkalender trotz verzögerter Vorbereitungen Die afghanische Unabhängige Wahlkommission (Independent Election Commission/IEC) begründet in Abstimmung mit der UN-Wahlzelle(UN Electoral Unit) die Notwendigkeit, Wahlen abzuhalten, mit den Bestimmungen der afghanischen Verfassung. Gemäß dem in der Verfassung vorgesehenen„Wahlkalender“ plant die IEC, im Herbst 2009 Wahlen für das Präsidentenamt und die Provinzräte sowie im Sommer 2010 Wahlen
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Wahlen in Afghanistan 2009 und 2010 : Legitimationsdefizit und Eigendynamik wahltaktischer Manßnahmen
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