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Nach dem Kaukasus-Krieg : eine Zwischenbilanz
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RUSSLANDS PERSPEKTIVEN 09 / 2008 09/2008 Nach dem Kaukasus-Krieg: Eine Zwischenbilanz Fjodor Lukjanow Zusammenfassung: Der Kaukasus-Konflikt war mehr als nur ein bewaffneter Konflikt in einer spannungsreichen Region der Erde. Der Autor des Textes weist auf, dass in dieser Auseinandersetzung schlagartig alle Spannungen und Unzufriedenheiten zu Tage getreten sind, die sich zwischen Russland und dem Westen seit dem Ende der Sowjetunion angesammelt haben. Hierzu verdeutlicht er die dramatischen Wahrnehmungs­unterschiede zwischen Russland und dem Westen, ebenso wie die konzeptionelle Wende der russischen Außenpolitik und die mangelnde Übereinstimmung strategischer Horizonte zwischen Russland und den USA. Zum Autor: Fjodor Lukjanow ist Chefredakteur der Zeitschrift"Russia in Global Affairs" und einer der bekanntesten und einflussreichsten Kommentatoren der russischen Außenpolitik. Viele russische Kommentatoren verglei­chen den russisch-georgischen Krieg mit den Ereignissen am 11.09.2001, die die internationalen Beziehungen stark beein­flusst haben. Der Anschlag der Terroristen auf das World Trade Center und das Pentagon und die Antwort der USA darauf vollbrachten keine Revolution in der Weltpolitik. Sie dienten jedoch als mächtiger Katalysator für alle Trends, die sich im Vorfeld dieser Ereignis­se unterschwellig herauskristallisiert und akkumuliert hatten. Georgiens Überfall auf Südossetien und die Gegenmaßnahmen Russlands haben das"Schachbrett" auch nicht umgeworfen. Der bewaffnete Konflikt deckte aber schlagartig alle Widersprüche, Unzufrie­denheiten und inneren Spannungen auf, die sich im Verhältnis zwischen Russland und dem Westen praktisch während der gesamten postsowjetischen Zeit ange­sammelt hatten. Die Ereignisse werden unterschiedlich ge­wertet, alle Beobachter stimmen jedoch darin überein, dass die fünftägige bewaff­nete Kollision zu einer weitreichenden Ü­berprüfung der strategischen Konzepte der Parteien führen werde. Noch lassen sich die möglichen Wandlungen in der internati­onalen Arena schwer vorhersagen, man könnte aber einige Tendenzen feststellen, deren Weiterentwicklung das Zukunftsbild prägen wird. Erstens hat sich ein dramatischer Wahr­nehmungskonflikt abgezeichnet, der in sei­ner Tiefe ganz anders gelagert ist als die Meinungsverschiedenheiten, die es früher zwischen Moskau und den westlichen Met­ropolen gegeben hat. In Russland ist zum ersten Mal seit langer Zeit ein fast völliger Konsens bei der Be­wertung dieser Ereignisse zu beobachten. Nicht nur die politische Führung, sondern auch die überwiegende Mehrheit der Bür­ger betrachten das Vorgehen der russi­schen Armee und der russischen Füh­1