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Russlands städtische Mittelschicht : eine Umfrage im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung ; kommentierte Auswahl einiger Ergebnisse
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Leiter der Studie: Prof. Dr. Michail Gorschkow, Direktor des Soziologischen Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften Eine Umfrage im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Russlands städtische Mittelschicht Kommentierte Auswahl einiger Ergebnisse Bearbeitung: Dr. Matthes Buhbe Vorbemerkung. Die Friedrich-Ebert-Stiftung fördert empirische Untersuchungen einer gesellschaftswissenschaftlichen Schlüssel­frage: Gibt es eine russische Mittelschicht, und wie lässt sie sich charakterisieren? Nach 1999 und 2003 liegt nun eine dritte Studie vor, diesmal mit dem Schwerpunktstädtische Mittelschicht. Dazu befragte eine Forschungs­gruppe des Soziologischen Instituts um Professor Gorschkow im Oktober 2006 landesweit 1750 Personen. Ei­nige Ergebnisse der Auswertung werden im Folgenden wiedergegeben. Die Befragung kann als repräsentativ für die russische Gesamtbevölkerung gelten, da sie in Form gewichteter Untergruppen(Region, Alter, Geschlecht usw.) durchgeführt wurde. 1. Mittelklasse, Mittelschicht, Mittelstand: Was ist das? Die marxistische Klassentheorie kennt keine Mittelklasse, diebürgerliche Soziologie keine Klassen, sondern argumentiert mit Schichten. Als Mittelstand wiederum bezeichnet man jene Untergruppe, die eine bestimmte Schicht von Geschäftsleuten beschreiben soll. Die Mittel­schicht einer Gesellschaft ist also umfassender als der wirtschaftliche Mittelstand. Die For­schungsgruppe einigte sich bereits im Rahmen der Studie 2003 auf folgende vier Kriterien, um die russische Mittelschicht zu definieren: Ein bestimmtes Profil von(1) Bildung und Qualifikation,(2) beruflichem Status,(3) materiellem Lebensstandard und(4) Selbsteinschät­zungen, wodurch die Befragten typischen Merkmalen einer Mittelschicht zugeordnet werden können. 2003 ergab sich überraschend, dass ein Viertel der Gesamtbevölkerung als russische Mittel­schicht bezeichnet werden kann. Folgt man der Definition des Soziologischen Instituts, gibt es also keinen Zweifel, dass man im heutigen Russland von einer umfangreichen Mittelschicht ausgehen kann. Gemäß Schaubild 1 umfasste die städtische Mittelschicht 2003 genau ein Viertel, aber 2006 nur ein Fünftel der Befragten. Der geringere Umfang kann dadurch erklärt werden, dass sich die Zusammensetzung der Mittelschichtzugehörigen nach Art ihrer Tätig­keit deutlich verändert hat. Die Selbsteinschätzung wird nämlich nicht zuletzt von der Höhe des Einkommens bestimmt, und die Masse der Mittelschichtzugehörigen verdiente 2006 nach den Ergebnissen der Studie ihr Geld nicht mehr(wie 2003) im privaten Bereich, sondern im öffentlichen Dienst und in den Staatsbetrieben. Dort sind die Gehälter nicht so stark gestiegen wie im privaten Sektor, so dass ein relativer Abstieg stattgefunden hat. Der Anteil der Staats­bediensteten an allen, die sich der Mittelschicht zurechnen, hat auf diesem Wege zugenom-