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Von der Arbeiterpartei zur Volkspartei : Programmentwicklung der deutschen Sozialdemokratie seit dem 19. Jahrhundert
Entstehung
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Dieter Dowe Von der Arbeiterpartei zur Volkspartei Programmentwicklung der deutschen Sozialdemokratie seit dem 19. Jahrhundert Von der Arbeiterpartei zur Volkspartei Programmentwicklung der deutschen Sozialdemokratie seit dem 19. Jahrhundert 1 Von Dieter Dowe Wenn ein einziges Exemplar unserer 17 Punkte- derForderungen der Kommunistischen Partei in Deutschlandhier verbreitet würde, so wär hier alles verloren für uns. So schrieb Friedrich Engels zu Beginn der Revolution von 1848 aus Barmen an seinen Freund Karl Marx(25.4.1848). Er sah also, dass ihr Denken in seiner Heimat keinerlei Chance zur Annahme hatte. Und das hätte ebenso für ihr gemeinsam verfasstes Kommunistisches Manifest, eines der ersten programmati­schen Dokumente der frühen Sozialdemokratie, Geltung gehabt. Wenn ich im Folgenden einen Überblick über die programmatische Entwicklung der SPD, der äl­testen unserer Parteien biete, so gleicht das angesichts des Zeitraums von etwa 160 Jahren seit der 48er Revolution einem Parforce-Ritt. Gilt es doch, die Auseinandersetzung der Sozialdemokratie mit extrem unterschiedlichen Systemen im Auge zu behalten 48er Revolution, Deutscher Bund, Kaiserreich, Weimarer Republik, nationalsozialistische Diktatur, alte und neue Bundesrepublik. Hat die SPD im Wandel der Zeiten ihre Identität bewahren können, und, wenn ja, wo liegt dann diese Identität? Natürlich kann ich hier und heute die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Voraus­setzungen der Entwicklung der Sozialdemokratie nur kurz streifen. Die deutsche Sozialdemokratie entwickelte sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts als umfassende Emanzipationsbewegung der Arbeiterschaft, die sich im Zuge der Industrialisierung herausbildete. Einige Stichworte mögen die Bedingungen hierfür erhellen, die aufeinander einwirkten: Auflösung feudaler Bindungen und Sicherungen; Einsetzen industrieller Großproduktion, z.B. Fabriken; schnelles Bevölkerungswachstum; die sog.Bauernbefreiung; Aufhebung des Zunftzwanges; Ein­führung der Gewerbefreiheit; Zukunftsängste im Handwerk; Verelendung breiter Volksschichten. Erst nach 1900 wirkte sich die Ausweitung des industriellen Bereichs mit dem Übergewicht unge­lernter Arbeiter für die Sozialdemokratie aus. Erst langsam konnte sie dann die neuen Mittel­schichten an sich heranziehen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg reagierte sie auf den zurückgehen­1 Redaktionelle Anmerkung: Der Text basiert auf einem Vortrag im Historischen Zentrum in Wuppertal am 5. Juni 2007 und erschien bereits in der ReiheGesprächskreis Geschichte(Heft 71) der Friedrich-Ebert-Stiftung. www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 15