Rita Nikolai Alte und neue bildungspolitische Herausforderungen für die Sozialdemokratie in Deutschland Alte und neue bildungspolitische Herausforderungen für die Sozialdemokratie in Deutschland Von Rita Nikolai I. Einleitung Bildung ist seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie 2000 zu einem Dauerbrenner der politischen Debatte geworden und jedes Jahr kocht im September die Diskussion neu hoch, wenn der jährliche Bericht der OECD„Bildung auf einen Blick“ erscheint. Auch bei der Studie des Jahres 2006 hagelte es wieder Kritik am deutschen Bildungssystem mit Schlagzeilen wie„Schlechte Noten fürs Bildungssystem“(FAZ),„Deutschland bleibt sitzen“(DIE ZEIT) oder„Deutschland sackt weiter ab“(SPIEGEL ONLINE). Vor allem die im internationalen Vergleich geringen Abiturientenund Studienanfängerquoten in Deutschland stehen Jahr für Jahr immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Die PISA-Ergebnisse für die Jahre 2000 und 2003 machten ein weiteres Problem des deutschen Bildungssystems medienwirksam öffentlich, das Bildungsforscher schon seit langem kritisieren: Das deutsche Bildungssystem ist sozial selektiver als kaum ein anderes Bildungssystem in der OECD-Welt. Bildungserfolg und soziale Herkunft der Kinder stehen in Deutschland in einem engen Zusammenhang und die Weichen für den Bildungserfolg werden in Deutschland zudem besonders früh gelegt. Kinder werden bereits nach dem vierten Schuljahr auf verschiedene Schulzweige verteilt, so früh wie in keinem anderen Industriestaat. Mit dem„katholischen Arbeitermädchen vom Lande“ schuf Hansgert Peisert eine Kunstfigur, die bis in die 1960er Jahre Bildungsarmut auf sich vereinte(Peisert 1967). Wer aus einer Arbeiterfamilie stammte, dem katholischen Glauben angehörte, auf dem Land lebte und weiblichen Geschlechts war, hatte im gegliederten Schulsystem kaum Bildungschancen. Unter dem Leitgedanken„Bürgerrecht auf Bildung“ zielte die Bildungspolitik der 1960er und 1970er Jahre darauf ab, die soziale Chancengleichheit im Bildungswesen zu verbessern. Die sozialdemokratisch regierten Länder erklärten die Gesamtschule als„Schule der Zukunft“, während die CDU/CSU-regierten Länder am dreigliedrigen Schulwesen festhielten. Mehr Geld wurde in Kindergärten und Schulen investiert. Neue Universitäten wurden gegründet, Fachhochschulen etabliert und auch die Hochschulausgaben stiegen an, wenn auch den steigenden Studierendenzahlen keine adäquate Finanzausstattung folgte. Mehr Lehrer wurden eingestellt, so dass sich die durchschnittlichen Klassengrößen verringerten. www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 20
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Alte und neue bildungspolitische Herausforderungen für die Sozialdemokratie in Deutschland
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