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Familienunterstützende Dienstleistungen - ein unterschätztes Arbeitsmarktsegment mit hohen gesellschaftlichen Wertschöpfungspotentialen
Entstehung
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Uta Meier-Gräwe Familienunterstützende Dienstleistungen Familienunterstützende Dienstleistungen- ein unterschätztes Arbeitsmarktsegment mit hohen gesellschaftlichen Wertschöpfungspotentialen Von Uta Meier-Gräwe In der bundesdeutschen Debatte über die Zukunft der Arbeit lassen sich bis in die jüngste Vergan­genheit hinein zahlreiche Belege finden, die davon ausgehen, dass lediglich Industrie und Hand­werk wertschöpfend, also produktiv seien, wohingegen es sich bei Dienstleistungen- zumal bei den personen- und familienunterstützenden Dienstleistungstätigkeiten- um unproduktive, lediglich viel Geldverschlingende(Einfach-)Dienstleistungen handelt, die im Akt des Konsums zwischen An­bieter und Nachfrager vernichtet werden. Die Geringschätzung dieser professionellen Tätigkeiten hängt zusammen mit der in der alten Bundesrepublik Deutschland über viele Jahrzehnte praktizier­ten Privatisierung der Kinderfrage und der Favorisierung des klassischen Ernährermodells. Dadurch blieb die gesellschaftlich notwendige Arbeit des Alltags von Hausfrauen und Müttern unsichtbar und erfuhr ungeachtet ihres erheblichen Beitrags zur Bruttowertschöpfung der Gesellschaft eine erhebliche Trivialisierung. Auch in ihrer verberuflichten Form(Hausarbeit als Erwerbsarbeit) setzte sich die Abwertung dieser familienbezogenen Dienstleistungen fort. Sie wurden allenfalls alsnot­wendiges Übel für Fälle betrachtet, wo die Familiezu versagen drohte. Der Ausbau eines viel­fältigen familienunterstützenden Angebots an personen- und haushaltsbezogenen Dienstleistungen fand in einer Gesellschaft, die am Bild derguten, nicht erwerbstätigen Mutter orientiert war, nicht statt. Bis heute sind weibliche Dienstleistungsberufe Sackgassenberufe immer noch schlecht be­zahlt, repetitiv, oft als Helferinnenberufe strukturiert, ohne nennenswerte berufliche Entwicklungs­chancen(vgl. exemplarisch: Kettschau 1991; Thiessen 2004). Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat die diskursive und gesellschaftliche Konstruktion des Geschlechterverhältnisses dazu beigetragen, nachhaltige Professionswege und systematische Kar­rierewege zu verhindern.Historisch betrachtet wird das deutsche Berufsbildungssystem ohne die Teilhabe der Frauen und Mädchen gegründet(Friese 2003:12). Als es um den Aufbau eines Be­rufsbildungssystems ging, wurde von Seiten der Kammern gegen eine Integration weiblicher Handwerke mit dem Argument zu Felde gezogen, dass die Damenschneiderei, das Wäschenähen oder das Frisieren ein Handwerk im eigentlichen Sinne, das heißt einBeruf auf Lebenszeit nicht www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 9