Cäcilie Schildberg Soziale Demokratie und Europa Soziale Demokratie und Europa Von Cäcilie Schildberg Europa im Wandel „What sort of a society do the Europeans want?“ 1 In was für einer Gesellschaft wollen die Europäer leben? Als die Europäische Kommission dies zur Schlüsselfrage ihrer sozialpolitischen Initiativen vor mittlerweile fast fünfzehn Jahren erhob, wollte sie die Rolle„Europas“ unter den veränderten internationalen und innereuropäischen Rahmenbedingungen hervorheben. Das Ende des Kalten Krieges 1989 stellte eine historische Zäsur für Europa und das ganze internationale Staatensystem dar, was tiefgreifende soziale, politische und ökonomische Transformationsprozesse in den osteuropäischen Staaten, die Wiedervereinigung Deutschlands und die verbleibende Hegemonialstellung der USA im internationalen System zur Folge hatte. In diesem Kontext wurden die europäischen Gesellschaften aber auch die Europäische Union – als zusätzliche politische Gestaltungsebene – vor die Notwendigkeit einer Neudefinition ihrer Rolle im internationalem System gestellt. Zudem verbirgt sich hinter dem überall verbreiteten Schlagwort der„Globalisierung“ eine weitere internationale Herausforderung, wobei es primär um die Auswirkungen der zunehmenden Liberalisierung und Deregulierung von Kapitalströmen sowie der steigenden internationalen Verflechtung von Güter- und Dienstleistungsmärkten( ökonomische Globalisierung) geht. 2 Obgleich die Dynamik des vielschichtigen Globalisierungsprozesses primär durch ökonomische Kräfte forciert wird, gehen die daraus resultierenden Folgewirkungen weit über den ökonomisch-technologischen Bereich hinaus und berühren fundamentale politische Fragen der nationalen Souveränität, 1 European Commission(1993): Green Paper on European Social Policy – Options for the Union, COM(93) 551, S. 13; European Commission(1994): White Paper on Social Policy, COM(94) 333, S. 2. 2 In der Globalisierungsdebatte werden verschiedene Dimensionen differenziert, wobei die ökonomische nur eine von zumeist fünf Dimensionen darstellt. Demnach umfassen Globalisierungsprozesse eine soziale, eine kulturelle, eine politische, eine ökologische und eine ökonomische Dimension. In der wissenschaftlichen Literatur wird ebenfalls von der technologischen Dimension gesprochen, die sich dabei weitgehend mit der sozialen Dimension deckt. Erstere Bezeichnung betont stärker die Entwicklung und Ausbreitung neuer Kommunikations- und Informationsmedien, während letztere stärker die Auswirkungen dieser neuen Entwicklungen für die Gesellschaft, also den in ihnen lebenden Menschen hervorhebt. www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 16
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