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Soziale Demokratie und Gewerkschaften
Entstehung
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Wolfgang Schroeder Soziale Demokratie und Gewerkschaften Soziale Demokratie und Gewerkschaften Von Wolfgang Schroeder Einleitung Bis zum Ende der 1990er Jahre war die traditionell enge Beziehung der SPD zu den Gewerkschaf­ten elementarer Bestandteil des Parteienwettbewerbs im deutschen Modell, womit sich die SPD deutlich von der anderen großen Volkspartei, der CDU, abgrenzen konnte. Die wechselseitige Be­zugnahme zwischen Partei und Gewerkschaft hat zu einem pragmatischen Reformismus, einer star­ken sozialstaatlichen Orientierung am bismarckschen Modell und einer deutlichen Abgrenzung von radikaleren Optionen beigetragen. Die Beziehungen zwischen beiden haben historische Wurzeln im 19. Jahrhundert: Damals bildeten die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie zusammen mit den Genossenschaften die drei zentralen Pfeiler der Arbeiterbewegung. Neben historischen Gründen sind es im 20. Jahrhundert vor allem kulturelle, personelle und institutionelle Momente, die das besondere Verhältnis zwischen beiden prägten und fortentwickelten. Manchmal werden die deut­schen Gewerkschaften als informelle Vorfeldorganisationen der Sozialdemokratie begriffen und diese als der natürliche parlamentarische Ansprechpartner der Gewerkschaften. Mit der sozialde­mokratischen Regierungspolitik seit 1999 und der Existenz einer parlamentsfähigen Partei links von der SPD scheint die exklusive informelle Beziehung zwischen SPD und Gewerkschaften an Be­deutung zu verlieren. In diesem Beitrag wird die besondere Beziehung zwischen der deutschen So­zialdemokratie und den DGB-Gewerkschaften aus einer historischen Perspektive analysiert, um so den Wandel des Verhältnisses nachzuzeichnen und dessen Konsequenzen für die gegenwärtigen sowie zukünftigen Entwicklungen zu diskutieren. In der wissenschaftlichen und politischen Debatte wird schon seit vielen Jahren eine zunehmende Distanzierung zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokratie in Deutschland konstatiert(Hei­mann 1993: 165f.). Zugleich wird aber auch darauf verwiesen, dass sich in diesem Verhältnis stets abwechselnde Phasen größerer Übereinstimmung und Perioden angespannter, ja konfliktreicher Beziehungen zueinander feststellen lassen, so dass keinesfalls von einer linearen Erosionsentwick­lung gesprochen werden könne(Soell/Kempter 2000: 27ff.). Nach Klaus Armingeon(1988) wie auch Michael Schneider(1994) bestehe trotz einer nicht zu bestreitenden Auseinanderentwicklung www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 25