Internationale Politikanalyse International Policy Analysis Christian Kellermann* Der IWF als Hüter des Weltgelds? Zum chinesischen Vorschlag einer globalen Währung Der chinesische Vorschlag, im Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Weltwährung in Konkurrenz zum Dollar anzusiedeln, sorgt weltweit für Unruhe, Verwirrung und Erstaunen. Die Sorge um einen Dollarabsturz könnte diese Idee motiviert haben. Die Furcht vor Einschränkungen im grenzüberschreitenden Kapitalverkehr und andere protektionistische Maßnahmen könnten ebenfalls eine Rolle gespielt haben. In diesem Papier wird der chinesische Vorschlag zunächst in die Geschichte des IWF zurückverfolgt, der bereits über eine solche Kunstwährung verfügt, deren Rolle aber von Anfang an höchst umstritten und beschränkt war. Zudem wird der IWF auf seine Tauglichkeit als möglicher Hüter eines solchen Weltgeldes hin überprüft. Immerhin hat sich der IWF in den letzten zehn Jahren großer Kritik aussetzen müssen und fiel eher durch zunehmende Bedeutungslosigkeit auf, was vor allem mit seiner eigenen Trägheit und Unreformierbarkeit in Bezug auf das einseitige neoliberale Wirtschaftsverständnis zusammenhing. Verlorenes Jahrzehnt Als Konsequenz dieser Einseitigkeit und der ausbleibenden Erfolge in Sachen Entwicklung und Stabilität spielte der IWF in den letzten zehn Jahren im Grunde keine große Rolle. Vor allem sein Krisenmanagement in Asien und Lateinamerika hatte ihn nachhaltig an Glaubwürdigkeit gekostet. Nicht zuletzt weil seine Ideen schon damals nicht aufgingen. Der Währungsfonds übernahm die Aufgabe, an Länder in Zahlungsbilanzschwierigkeiten Kredite zu bestimmten Konditionen zu vergeben. Solche Bedingungen beinhalteten oftmals höchst sensible Privatisierungen von Staatsunternehmen und die Abschaffung von Regeln für den Markt. In der Folge wandten sich die unzufriedenen»Kunden« des IWF immer stärker von dieser Geldquelle ab. Eine Reaktion auf das fragwürdige Krisenmanagement des IWF bestand zum Beispiel – wie im Falle Chinas – in der Hortung von Devisenreserven, um sich vor Währungsattacken künftig selbstständig schützen zu können. Dr. Christian Kellermann ist Finanzexperte in der Internationalen Politikanalyse der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin und Autor des Buches »Die Organisation des Washington Consensus. Der Internationale Währungsfonds und seine Rolle in der internationalen Finanzarchitektur«, erschienen im Transcript Verlag: http://www.transcript-verlag.de/ts553/ts553l.php Der Fonds, der sich über das Zinsgeschäft mit den Einlagen seiner 185 Mitgliedstaaten finanziert, geriet sogar in die missliche Lage, seine eigenen Mitarbeiter nicht mehr bezahlen zu können. Von vielen Seiten wurde der Fonds deshalb schon abgeschrieben. Zu starr sei er, zu neoliberal indoktriniert, zu US-dominiert, MÄRZ 2009
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Der IWF als Hüter des Weltgelds? : Zum chinesischen Vorschlag einer globalen Währung
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