Internationale Politikanalyse International Policy Analysis Matthias Jobelius Länderanalyse Südkaukasus: Krise und Kriegsgefahr? Die Aussichten auf eine Konsolidierung von Staatlichkeit und Sicherheit im Südkaukasus haben sich verschlechtert. Zwei der drei Staaten des Südkaukasus, Aserbaidschan und Georgien, haben kein Gewaltmonopol über ihr Staatsgebiet. In beiden Ländern sind die Grenzen zu den separatistischen Regionen(Abchasien, Südossetien, Nagorno-Karabakh) nicht durch internationale Friedenstruppen oder Vereinbarungen gesichert. Die Aussichten auf eine internationale Friedenssicherung sind aufgrund der widersprüchlichen Interessen der Konfliktparteien und der involvierten Großmächte gering. Das Eskalationsrisiko der Konflikte in der Region ist hoch und wird in Zukunft eher zu- als abnehmen. Die Zeit des rasanten Wirtschaftswachstums im Südkaukasus ist vorbei. Armenien, Georgien und Aserbaidschan sehen sich aus unterschiedlichen Gründen einem wirtschaftlichen Abschwung gegenüber, der die Transformation bremsen und die soziale Lage verschlechtern wird. Darüber hinaus haben der Rohstoffreichtum der Region sowie die Energielieferungen nach Westen das Potenzial, die Instabilität Georgiens, die autoritäre Herrschaft in Aserbaidschan und die wirtschaftliche Isolation Armeniens zu vertiefen. Die Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre zeigen, dass der Südkaukasus»auseinanderdriftet«. Aserbaidschans Ressourcenreichtum und sein Herrschaftssystem unterscheiden das Land wesentlich von seinen Nachbarn. Für eine regionale Integration gibt es keine Anzeichen. Die Voraussetzungen für einen solchen Prozess – der politische Wille seitens der Regierungen und eine friedliche, partnerschaftliche Interaktion der Staaten – sind nicht gegeben. APRIL 2009
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