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It's the emotion, stupid!
Entstehung
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Internationale Politikanalyse International Policy Analysis Heiko Kretschmer, Ana Dujic, Mario Münster Its the emotion, stupid! Der US-amerikanische Psychologieprofessor Drew Westen hat im vergangenen Jahr mit seinem Buch»The Political Brain« die US­Demokraten gehörig aufgemischt. Nicht wenige behaupten, seine Thesen hätten gewichtigen Einfluss auf die Kampagnen­strategie von Barack Obama genommen. Wettbewerb im Markt der Emotionen Westens Hauptthese ist schlicht: Erfolgreicher Wahlkampf voll­zieht sich weniger über Sachargumente und den Austausch von Inhalten, sondern über das Erreichen der Wählerherzen und der Erzeugung eines kollektiven»guten Bauchgefühls«. Ziel eines jeden Wahlkampfs muss es daher sein, Vernunft und Emotionen zu verbinden wobei die emotionale Ansprache klar überwiegen sollte. Westen illustriert seine These mit einem Zitat aus dem Wahl­kampf-Duell zwischen Adlai Stevenson und Dwight D. Eisen­hower. Nach einer eloquenten Wahlkampfrede beglückwünscht eine glühende Anhängerin den Demokraten Stevenson mit den Worten:»Jede denkende Person wird Sie wählen, Sir.« Steven­sons Antwort:»Madam, das ist nicht genug. Ich brauche eine Mehrheit.« Für Westen ist Wahlkampf folglich ein Wettbewerb auf dem Marktplatz der Emotionen(Westen, S. 36), in dem eine leicht verständliche übergeordnete Storyline und ein Kandidat, der die Story authentisch transportiert, über den Wahlsieg ent­scheiden. Westen gelingt es, bekannte Aspekte eines erfolgreichen Wahlkampfs in eine übergeordnete Logik und Systematik zu bringen. In Verbindung mit einer Beweisführung, die sich immer wieder der Psychologie und Neurologie bedient, liest man hier etwas wirklich Neues, Spannendes und Lehrreiches. Ein wesentlicher Bestandteil von Westens Buch ist seine Defi­nition einer»Masterstory«, die ebenfalls mit einer spannenden, zumindest für deutsche Ohren ungewohnten Erklärung daher­kommt: Wie ein Märchen aus der amerikanischen Kindheit soll eine tragfähige politische Idee funktionieren. Sie soll gut von böse und richtig von falsch unterscheiden und klar benennen. Sie muss leicht verständlich sein und den Drang auslösen, sie weiterzuerzählen. Sie muss einen Antagonisten kennen. Sie muss Hoffnung, Träume und Angst zu ihren Triebfedern machen können. Anders gesagt: Sie muss einen Rahmen vorgeben, der das Wertesystem und das Leben regelt. Diese Masterstory ist für Westen der Rahmen und das Wertesystem, das eine Partei vor­geben und etablieren muss, wenn sie erfolgreich sein will. Es geht hier also nicht bloß um eine stimmige kurzfristige Kampa­gnenstory. Westen denkt eine Nummer größer, es geht ihm um politische Paradigmen. In der Tat ist man, ausgehend von diesen Ausführungen, sehr schnell bei der Change-Story von Barack Obama und erkennt, was in der politischen Praxis mit Westens Themen gemeint ist. So ist die Change-Story nicht nur ein gutes Beispiel dafür, wie im Rahmen einer Wahlkampagne ein Motiv konsequent insze­niert und gespielt wird. Obama setzt ebenfalls dazu an, eine neue Masterstory zu etablieren. Wenngleich noch nicht geklärt MAI 2009