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Die Europäisierung der deutschen Berufsbildungspolitik : Sachzwang oder Interessenpolitik?
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Internationale Politikanalyse International Policy Analysis Marius R. Busemeyer Die Europäisierung der deutschen Berufsbildungspolitik Sachzwang oder Interessenpolitik? Die Berufsbildungspolitik ist auf europäischer Ebene, vor allem im Rah­men der Lissabon- und Kopenhagen-Prozesse, in jüngster Zeit von der Peripherie ins Zentrum der EU-Politik gerückt. Ähnlich wie im Fall des Bologna-Prozesses in der Hochschulpolitik sind auch in der beruflichen Bildung Auswirkungen auf die nationalen Bildungssysteme zu beobachten. In Deutschland ist eine enge inhaltliche und politische Verflechtung der Europäisierungsdebatte mit dem allgemeinen Diskurs der Berufsbildungs­reform zu beobachten. Eine Reformkoalition aus Teilen der Arbeitgeber­schaft und der Bundesregierung versucht, den»Rückenwind aus Europa« strategisch zum Aufbrechen wahrgenommener Reformblockaden zu nut­zen. Gewerkschaften und Sozialdemokratie müssen auf diese Herausforde­rung reagieren. Interessendivergenzen im eigenen Lager sollten überwun­den werden. In der kurzen Frist muss es um die Verteidigung der zentralen Pfeiler des deutschen Berufsbildungssystems gehen. Langfristig sollten Ge­werkschaften und Sozialdemokratie jedoch die Schaffung einer echten, auf dem Prinzip der Beruflichkeit statt der»employability« aufbauenden Berufsbildungsarchitektur auf EU-Ebene anstreben, da auf diese Weise das Ziel der Stärkung der grenzüberschreitenden Mobilität bei Wahrung der beruflichen Identität besser umgesetzt werden kann als mit den gegen­wärtigen Ansätzen der EU-Bildungspolitik. JUNI 2009