Juni 2009 Mehr Frauen in der Politik: bessere Chancen für Gleichstellung? Die Ergebnisse der Parlamentswahlen in Indonesien Melanie Mörmel, Erwin Schweisshelm, FES Jakarta • Das Haupthindernis für die politische Partizipation von Frauen ist die patriarchale Struktur der indonesischen Gesellschaft. • Positive Ansatzpunkte bilden die Ratifizierung des§ÄÉêÉáåâçããÉåë= òìê=_ÉëÉáíáÖìåÖ= àÉÇÉê= cçêã= îçå= aáëâêáãáåáÉêìåÖ= ÇÉê= cê~ì, zudem die verbindliche, aber nicht sanktionsbewehrte 30%-Frauenquote im neuen Parteiengesetz und die Reservierung von fünf Prozent des nationalen und lokalen Budgets für Gender Mainstreaming. • Die Ergebnisse der Wahlen 2009 zeigen eine Zunahme des Anteils von Frauen im Parlament von 11% im Jahr 2005 auf 18%. Allerdings führen politische Beobachter dies eher auf den „celebrity factor“(Kandidatur von Schauspielerinnen, Töchter berühmter Politiker etc.) als auf„affirmative action“ und ein geändertes Wählerverhalten im Sinne von„women vote women“ zurück. Geschlechter(un-)gerechtigkeit in Indonesein Vor dem Hintergrund der diesjährigen Wahlen in Indonesien wurde die Frage nach der politischen Gleichstellung der Geschlechter wieder sichtbarer und relevanter. Trotz enormer und gefestigter Demokratisierungsfortschritte seit 1998 ist die politische Teilhabe von Frauen nicht annähernd mit der in westlichen Staaten vergleichbar. Seit der vierten Weltfrauenkonferenz in Beijing im Jahr 1995 und der Vereinbarung über die Millenniumsentwicklungsziele(MDG) ist die Stärkung der Frauenrechte als Leitziel internationaler Politik festgehalten. Indonesien hat hier allerdings noch erheblichen Nachholbedarf. Im Global Gender Gap Index 2008 wird Indonesien auf dem 93. Platz von 130 Ländern geführt(Deutschland: 11. Platz), was eine Verschlechterung von zwölf Plätzen gegenüber 2007 bedeutet. Der Index kombiniert vier Subindices: Gesundheit, Bildung, ökonomische Teilhabe sowie politische Partizipationsmöglichkeiten. Frauen bilden in Indonesien zwar die Bevölkerungsmehrheit, stellen aber dem Index zu Folge eine gesellschaftliche Randgruppe dar. Die Ergebnisse in allen vier Dimensionen lassen erkennen, dass indonesische Frauen im Vergleich zu Männern gesundheitlich, sozial, wirtschaftlich und politisch marginalisiert sind. Begründet liegt dies sicher nicht allein in dem Status eines Entwicklungslandes(und somit nicht allein an strukturellen Aspekten wie einer hohen Armutsrate, Bildungsdefiziten etc.), wie etwa Ruanda als stets genanntes Positivbeispiel im Kontext von politischer Geschlechtergerechtigkeit zeigt. Vielmehr ist die Benachteiligung der Frauen laut dem tçãÉå=oÉëÉ~êÅÜ=fåëíáíìJ íÉ tief in der komplexen Kultur Indonesiens verwurzelt. Obwohl Indonesien das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung in der Welt ist, zeigt sich gerade hier, dass die Randstellung der Frau nicht allein auf die Religion zurückzuführen ist. Bali als hinduistischer Teil des Landes beweist dies. Indonesien ist kein islamischer Staat, aber ihm liegt wie vielen Ländern Asiens ein starkes patriarchales System zugrunde, welches die eigentliche Ursache für Geschlechterungerechtigkeit ist. Reli-
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Mehr Frauen in der Politik : bessere Chancen für Gleichstellung? ; Die Ergebnisse der Parlamentswahlen in Indonesien
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