Forum Familienpolitik Wie sieht eine sozial gerechte Familienpolitik aus? Ergebnisse eines Expert/innen-Workshops des Forum Politik und Gesellschaft am 1. Juli 2009 in Berlin Uwe Ziegler 1. Soziale Gerechtigkeit Die Erwartungen der Bürger/innen an Politik sind komplex, differenziert und anspruchsvoll. Auf der Skala ganz oben steht seit langem die Forderung nach Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit. Tatsächlich aber zeigen verschiedene Studien, dass die übergroße Mehrheit der Deutschen die gesellschaftlichen Verhältnisse und damit vor allem auch die Politik im Land als ungerecht empfindet. Die merkliche Distanz zur realen Politik, zu den Parteien und zuweilen auch zum demokratisch-pluralistischen System insgesamt hat hier eine ihrer entscheidenden Wurzeln. Soziale Gerechtigkeit ist kein inhaltlich für immer und alle festgelegter Begriff, sondern offen für unterschiedliche gesellschaftliche Bedingungen und Interessen. Sie ist Gegenstand und Resultat sozialer Aushandlungsprozesse. Konsens dürfte darüber bestehen, dass soziale Gerechtigkeit für den Zusammenhalt einer arbeitsteilig organisierten, funktional differenzierten, horizontal und vertikal vielfach geschichteten Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist. Gerade wenn ein Gemeinwesen auf Ungleichheiten,auf der Verschiedenheit von Tätigkeiten und sozialen Rollen basiert, braucht es eine Klammer der Solidarität, die alle einschließt. Soziale Ungleichheit ist nicht per se sozial ungerecht. Die deutsche Situation erweist sich insofern als problematisch, als hier soziale Ungleichheiten in erheblichem Maße nicht durch unterschiedliche Qualifikationen und Leistungen, sondern durch soziale Herkunft, Milieu, Geschlecht, Ethnie usw., also durch Zugehörigkeiten, bedingt sind. Schon klassisch ist das Verdikt der PISA-Studien, dass in Deutschland Bildungschancen ganz erheblich mit der sozialen Herkunft korrelieren. Empirisch belegt ist, dass wir es in unserem Land mit einer offensichtlich wieder zunehmenden Selbstreproduktion von Schichten zu tun haben. Verantwortbare Politik schafft die notwendigen Rahmenbedingungen für soziale Gerechtigkeit. Sie stärkt die Solidarität in der Gesellschaft und damit deren Zusammenhalt. Sie zielt auf Gleichheit der Lebenschancen und der Teilhabe. Ein herausragendes Feld für eine Politik sozialer Gerechtigkeit ist- neben der Bildungspolitik die Familienpolitik. Impressum: Text: Uwe Ziegler Friedrich-Ebert-Stiftung Redaktion: Anne Seyfferth, Forum Politik und Gesellschaft Anja Wehler-Schöck, Friedrich-Ebert-Stiftung Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin Gestaltung: Inge Voß, Friedrich-Ebert-Stiftung Tel. 030- 269 35 7321 Fotonachweis: Pavel Losevsky, Fotolia www.fes.de/forumpug Dieses Projekt wird unterstützt durch die DKLB-Stiftung. 1
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Wie sieht eine sozial gerechte Familienpolitik aus? : Ergebnisse eines Expert/innen-Workshops des Forum Politik und Gesellschaft am 1. Juli 2009 in Berlin
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