Focus on Germany London Office July 2009 Arbeitsplätze retten oder den Strukturwandel forcieren? Zehn Thesen zur Industriepolitik in der Wirtschaftskrise Vor dem Hintergrund der schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren wird der Ruf nach staatlicher Unterstützung für Industriebranchen und einzelne Firmen lauter. Die Liste der Unternehmen, die staatliche Hilfen beantragt haben, wächst. Angesichts dieser Entwicklungen stehen die Entscheidungsträger vor einem grundsätzlichen Dilemma: Sollen sie"Arbeitsplätze retten oder den Strukturwandel forcieren?". In einem gleichnamigen Thesenpapier, das vom Arbeitskreis"Moderne Industriepolitik" der Friedrich-Ebert-Stiftung unter der Leitung von Hans Eichel, Bundesfinanzminister a.D., herausgegeben wurde, empfehlen die Autoren, Alfred Pfaller und Philipp Fink, eine sorgfältige Abwägung bei der Entscheidung über die Erteilung von staatlichen Hilfen vorzunehmen. Die zentrale Frage, die gestellt werden muss, ist, ob das notleidende Unternehmen unabhängig von dem derzeitigen Liquiditätsengpass noch auf dem Markt überlebensfähig wäre . Alfred Pfaller und Philipp Fink* 1) Die Wirtschaftskrise bedeutet für Unternehmen einen externen Schock Die momentane Wirtschaftskrise, hat ihre Ursache in zwei Zusammenhängen, die als Schocks auf die Unternehmen wirken: stärkende Folge von drastischen Vermögensverlusten infolge des Preisverfalls auf den Aktien- und Immobilienmärkten, des Austrocknens von Kreditlinien und allgemeinem Zukunftspessimismus. • das Austrocknen von Kreditlinien, ausgelöst durch das Platzen der in den Jahren zuvor gebildeten„Blase“ auf den amerikanischen Immobilien- und Finanzmärkten; • ein drastischer Rückgang der globalen Nachfrage als kombinierte und sich selbst ver*Alfred Pfaller arbeitet als freiwilliger Mitarbeiter. Philipp Fink ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe für moderne Industriepolitik bei der Friedrich-Ebert-Stiftung. Unternehmen geraten in Schwierigkeiten, weil einerseits die Kreditvergabe der Banke eingeschränkt bzw. deutlich verteuert wurde und andererseits der globale Nachfrageeinbruch zu einem Wegbrechen der Aufträge, Absätze und Erlöse führte. Beide Zusammenhänge können Unternehmen zahlungsunfähig machen. Falls dann die Produktionskapazitäten nicht von finanzstärkeren Eignern übernommen werden, Friedrich-Ebert-Stiftung London Office 66 Great Russell Street London WC1B 3BN Phone+44(0)20 7025 0990 Fax+44(0)20 7242 9973 e-mail website info@feslondon.org.uk www.feslondon.org.uk
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Arbeitsplätze retten oder den Strukturwandel forcieren? : Zehn Thesen zur Industriepolitik in der Wirtschaftskrise
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