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Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und der russische Arbeitsmarkt
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RUSSLANDS PERSPEKTIVEN 02/2009 02 / 2009 "Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und der russische Arbeitsmarkt" Jewgeni Gontmacher Zusammenfassung: Der Artikel enthält eine Prognose möglicher Veränderungen auf dem russischen Arbeitsmarkt infolge der globalen Finanzkrise. Die wichtigste Gefahr, die sich aus der Wirtschaftskrise ergibt, ist eine Erhöhung der Arbeitslosenzahlen. Wie sie sich im Einzelnen entwickeln werden, ist von der konkreten ökonomischen Situation und von den Gegenmaßnahmen der russischen Regierung abhängig. Im Ergebnis der allgemeinen Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt stellt sich die Frage über die Rolle der Gewerkschaften bei der Interessenvertretung der Arbeitnehmer. Inwieweit russische Gewerkschaften bereit sind, effektiv bei der Lösung von Arbeitsproblemen während der Krise mitzuwirken, wird sich bald klären. Zum Autor: Prof. Dr. Jewgeni Gontmacher ist ein führender Experte für Sozialpolitik. Er leitet das Zentrum für Sozialpolitik am Wirtschaftsinstitut der RAdW und ist Vorstandsmitglied des Instituts für zeitgenössische Entwicklung. Zu Beginn des Jahres 2009 ist zu konstatieren, dass die sozialen Konsequenzen der im vorigen Jahr ausgebrochenen Krise noch als schwach ausgeprägt und fragmentarisch empfunden werden. Dies lässt sich damit erklären, dass die Krise einige Phasen durchläuft die nicht unmittelbar mit der sozialen Lage der Menschen verbunden sind: zuerst der Einbruch der Wertpapiermärkte, dann das Liquiditätsdefizit bei Banken, danach der Verfall der Preise für die russischen Exportprodukte. Erst wenn die Krise jene Phase erreicht hat bei der die Produktion von Waren bzw. Dienstleistungen zurückgeht oder gar ganz zum Stillstand kommt, machen sich ihre direkten sozialen Konsequenzen bemerkbar: Die Beschäftigungszahlen und die Einnahmen der Menschen sinken, letztlich kommt es auch zu einem Sozialabbau. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht derzeit zuvorderst die Entwicklung der Beschäftigungszahlen. So waren am 1. Januar 2009 bei den staatlichen Beschäftigungszentren 1,5 Millionen Personen gemeldet, womit die Gesamtzahl der Arbeitslosen(nach der ILO-Methodik berechnet) 5 Millionen bzw. 6,6% der wirtschaftlichen aktiven Bevölkerung betrug. Sowohl im internationalen als auch im nationalen Vergleich sind diese Kennzahlen in ihrer absoluten Größe nicht sehr hoch. Vor allem gegen Ende der 90er Jahre und damit nach dem Einbruch von 1998 waren sie wesentlich höher. Besorgniserregend sind aber die Dynamik und vor allem das rasche Anwachsen der Beschäftigungsprobleme in einzelnen 1