Blickpunkt Großbritannien Büro London Dezember 2009 Die rasante Zunahme der Ungleichheit als Ursache für den Crash Der wirtschaftliche Zusammenbruch ist überwiegend einer Kombination aus globalem Ungleichgewicht, übermäßiger Fremdkapitalaufnahme der Banken, unbesonnener Risikobereitschaft und überhöhter privater Verschuldung zugeschrieben worden. Aber diese Erklärungen, die Schlagzeilen machten, sind nicht die ganze Wahrheit. Die Ursachen für die direkten Auslöser der derzeitigen Krise liegen in sehr viel tiefer verwurzelten wirtschaftlichen, sozialen und politischen Umbrüchen der letzten dreißig Jahre. Die immer größer werdende Ungleichheit trug entscheidend zu der wachsenden Verletzbarkeit der britischen(und US-amerikanischen) Wirtschaft bei und spielte eine wichtige Rolle in der Vorphase der Finanzkrise und bei dem darauf folgenden Abschwung. Stewart Lansley* Der Konsens der Nachkriegszeit, der eine starke Regierung und ein Engagement für soziale Solidarität miteinander verband, hatte sich nur bis zur Mitte der 1970er Jahre halten können. An die Stelle von nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg trat die ‚ Stagflation ‘ – eine gefährliche Mischung aus zunehmender Arbeitslosigkeit und steigenden Inflationsraten. Mit der wachsenden Instabilität der 1970er Jahre, für die man das Versagen eines regulierten Kapitalismus verantwortlich machte, erschien eine im Gegensatz dazu stehende, politische und wirtschaftliche Ideologie auf der Bildfläche, die für den Staat eine schwächere *Stewart Lansley ist Autor der folgenden Publikation Life in the Middle: The Untold Story of Britain ’ s Average Earners, TUC Touchstone Pamphlet, 2009, sowie Mitautor der Publikation Londongrad: From Russia With Cash, The Inside Story of the Oligarchs, 4 th Estate, 2009. und für den Markt eine stärkere Rolle vorsah. Diese Verlagerung der Prioritäten begann in kürzester Zeit, den politischen Entscheidungsprozess in Großbritannien sowie in den Vereinigten Staaten zu beherrschen. Zwar glaubte man in den meisten kontinentaleuropäischen Ländern weiterhin an eine ‚ soziale Marktwirtschaft ’ , doch die Verlagerung des Konsens im angelsächsischen Raum sollte sehr viel weiter reichende, globale Konsequenzen haben. Seit Beginn der 1980er Jahre befanden sich die wichtigsten sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der vorangegangenen drei Jahrzehnte – Rückgang der Armut, abnehmende Ungleichheit sowie Anstieg der Friedrich-Ebert-Stiftung London Office 66 Great Russell Street London W C1B 3BN Phone:+44(0)20 7025 0990 Fax:+44(0)20 7242 9973 e-mail: info@feslondon.net website: www.feslondon.org.uk
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