Juni 2010 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Letzter Ausweg gemeinsame Anpassung – die Eurozone zwischen Depression und Spaltung Wolfgang Münchau 1 Auf einen Blick Aus deutscher Sicht liegt die Ursache der europäischen Schuldenkrise in mangelnder Haushaltsdisziplin, aus spanischer Sicht sind Spekulanten an der Krise schuld. In beiden Fällen werden die Interdependenzen privater und staatlicher Schulden verkannt und innereuropäische Leistungsungleichgewichte ignoriert. Der jetzige Versuch des kollektiven Sparens führt in die Depression, eine Sanierung der Eurozone durch Inflation und/oder Verbesserung der gemeinsamen Leistungsbilanz zu weltwirtschaftlichen Verwerfungen und eine Fortsetzung der innereuopäischen Leistungskonkurrenz zur Spaltung. Als einziger Ausweg bleibt eine symmetrische Anpassung, bei der bisherige Überschussländer wie Deutschland Defizite akzeptieren, damit Länder wie Spanien ihre aufgelaufenen Defizite reduzieren können. Es sind Narrative, mehr noch als Fakten oder Theorien, die unser Verständnis von Krisen und die Debatten darüber prägen. Die europäische Schuldenkrise hat zwar ökonomische Ursachen. Ihr Verlauf ist allerdings davon geprägt, dass die verschiedenen Narrative der Krise nicht miteinander übereinstimmen. Für uns Deutsche ist die Sache klar. Die Ursachen der Krise liegen in der verantwortungslosen Politik der griechischen, aber auch anderer Regierungen, die zu einer Schuldenexplosion geführt hat. Die Lösung, wie sie von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble vorgeschlagen wurde, ist eine Verschärfung der Stabilitätsregeln. Im Gegensatz zum heutigen Stabilitätspakt müssen die Sanktionen so gestaltet sein, dass sie auch tatsächlich funktionieren. Aus spanischer Sicht hingegen sind die Schuldigen an dieser Krise die Spekulanten. Spanien habe sich in den ersten zehn Jahren der Währungsunion nichts zu Schulden kommen lassen. Man hat den Stabilitätspakt während der gesamten Mitgliedschaft beachtet. Die Schuldenlast des Staates, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, ist weitaus geringer als die Deutschlands oder Frankreichs. Die Krise ist somit die Konsequenz übler Spekulationen. Der Verfall spanischer Bondpreise ist aus spanischer Sicht völlig unverdient.
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Letzter Ausweg gemeinsame Anpassung - die Eurozone zwischen Depression und Spaltung : die Eurozone zwischen Depression und Spaltung
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