Juli 2010 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Kultur- und Kreativwirtschaft: Postmaterielles Wachstum – materielles Elend Alfred Pfaller 1 Auf einen Blick Kultur- und Kreativproduktion ist ein rasch wachsender Wirtschaftszweig, der einigen Standortregionen hohe Einkommensund Beschäftigungszuwächse verheißt. Dieses Wachstumspotenzial wird am ehesten dort realisiert, wo sich eine„Kreativkultur“ im Übergangsbereich von spielerischer Selbstverwirklichung und Erwerbstätigkeit entfaltet. Diese„Kreativkultur“ gilt es zu fördern – aus standortpolitischen und kulturpolitischen Gründen. Der Wirtschaftszweig ist andererseits von einem hohen Maß an Ausbeutung und Selbstausbeutung gekennzeichnet, weil die zahlungsbereite Nachfrage nach Kultur weit hinter dem Angebot zurückbleibt und weil die Digitalisierung die Marktposition der Produzenten verschlechtert hat. Kultur- und Kreativwirtschaft stellt die Politik vor drei große Herausforderungen: • Hier ist ein rasch wachsender Markt, der Einkommens- und Beschäftigungszuwächse verspricht. „Industriepolitik“ ist gefordert, dieses Potenzial zu nutzen. • Kultur im engeren Sinn kann als eine Art„Selbstverwirklichung“ einer Gesellschaft gesehen werden. Kulturpolitik ist gefordert, ihr Freiräume im und vom Markt zu sichern. • Kulturschaffende sind von jeher einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt und aufgrund der digitalen Informationsverarbeitung hat sich ihre Marktposition noch einmal verschlechtert. Hier ist die Solidargemeinschaft gefordert, zu helfen. Die industriepolitische Herausforderung: Boden bereiten, Blockaden beseitigen Die Nachfrage nach Kultur und nach Kreativprodukten nimmt weltweit schneller zu als die Gesamtnachfrage. In den letzten zehn Jahren hat sie sich verdoppelt. Bei den Produkten handelt es sich um kulturelle Güter und Darbietungen im engeren Sinn (Bücher, Musik, Architektur, Presse, Design etc.) aber
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Kultur- und Kreativwirtschaft : postmaterielles Wachstum - materielles Elend
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