Gewerkschaften im erstarkenden Kapitalismus – Das Beispiel Ungarn Arbeitspapier Juni 2010 Autor: Dr. Csaba Makó, Wissenschaftlicher Berater am Institut für Soziologie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ___________________________________________________________________________ Einleitung – Erneuerung der Arbeitnehmervertretung im globalen Kontext Die zwei Jahrzehnte lange Geschichte der entstehenden Marktwirtschaft zeigt, dass die Partner im Arbeitsbeziehungssystem(im weiteren: ABS), und hier besonders die ungarischen Gewerkschaften, vor einer doppelten Herausforderung standen und angemessene Antworten auf sie finden mussten: Doppelt in der Hinsicht, dass einerseits die ständigen Veränderungen in der Wirkungsweise der Marktwirtschaft eine fortgesetzte Anpassung der Gewerkschaftsstrategien erforderten, und andererseits die ABS-Akteure, ähnlich ihren Partnern in anderen europäischen Nationalwirtschaften, den Umgang mit den universell-generellen Auswirkungen des Wettbewerbs auf dem globalen Arbeitsmarkt erlernen mussten. In diesem Zusammenhang ist unbedingt auch die Verdoppelung der Arbeitnehmerzahl auf dem globalen Arbeitsmarkt (das sog. great doubling) zu erwähnen. Infolge der gewachsenen Rolle Chinas, Indiens und der vormaligen staatssozialistischen, europäischen Länder(einschließlich der ehemaligen Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten) für die Weltwirtschaft stieg die Zahl der Arbeitnehmer in den Marktwirtschaften seit 1990 auf das fast Zweifache an – von 1,46 auf 2,93 Milliarden. Dieses außerordentlich große Arbeitskräfteangebot führte zu einem verschärften Lohnwettbewerb. Entgegen dem allgemeinen Glauben beschränkt sich der Lohnwettbewerb nicht auf sog. blue-collar Arbeitsbereiche, die nur eine geringe Qualifikation erfordern. Mittels der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie der Herausbildung von Unternehmensnetzwerken beschleunigte sich die Verlagerung(offshoring) wirtschaftlicher Aktivitäten in andere Länder und Regionen. Außerordentlich erschwert wird die gewerkschaftliche Einflussnahme auf diese Prozesse durch die unterentwickelte Organisierung der Gewerkschaften auf globaler Ebene. Zwar fällt die Schwächung des gewerkschaftlichen Einflusses unterschiedlich aus, doch zu beobachten ist sie sowohl in den entwickelten als auch unterentwickelten Regionen der Weltwirtschaft. In impliziter oder expliziter Form sind Arbeitgeber – durch„Drohen“ mit einer Verlagerung ihrer Aktivitäten in Niedriglohnländer – fähig, erhebliche Verdienst- und Arbeitszeitzugeständnisse zu erreichen. Mangels einer fortlaufenden Erneuerung der kollektiven Interessenvertretung von Arbeitnehmern im nationalen und internationalen Rahmen lässt sich der Mitgliederschwund nicht stoppen, es verschlechtert sich die Fähigkeit der Arbeitnehmervertretungen zur Mobilisierung und das zusammen kann zu einer Marginalisierung der Rolle führen, mit der die Gewerkschaften die Arbeitswelt beeinflussen. Der erste Teil dieser Studie erörtert einige Begleiterscheinungen bei der Herausbildung der Marktwirtschaft in Ungarn, während im zweiten Teil die wichtigsten Institutionen der Arbeitsbeziehungen vorgestellt werden. Der dritte Teil wiederum befasst sich mit der Einstellung der Arbeitnehmer zu den Gewerkschaften und der zunehmenden Intensität kollektiver Konflikte in den vergangenen Jahren – gestützt auf die Ergebnisse verschiedener empirischer Unternehmensumfragen. Im Resümee der Studie werden dann abschließend einige Vorschläge zur Fundierung einer effizienteren Gewerkschaftsarbeit unterbreitet. H-1056 Budapest, Fővám tér 2-3, Tel:+36 1 461 60 11, Fax:+36 1 461 60 18, www.fesbp.hu, fesbp@fesbp.hu
Druckschrift
Gewerkschaften im erstarkenden Kapitalismus : das Beispiel Ungarn
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten