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Vom Aussterben bedroht? : Der Zustand der US-Gewerkschaften
Entstehung
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PERSPEKTIVE Vom Aussterben bedroht? Der Zustand der US-Gewerkschaften HAROLD MEYERSON September 2010 Trotz der erfolgreichen Wahl Barack Obamas zum Präsidenten und eines mehrheitlich demokratischen Kongresses seit 2008, kämpft die US-Gewerkschaftsbewegung ums Überleben. Die wichtigsten Ursachen dafür liegen in der dramatisch sinkenden Mitgliederzahl in Schlüsselbranchen und im Unvermögen der Gewerkschaften, eine umfassende Arbeitsrechtsreform durchzusetzen, durch die sie neue Mitglieder gewinnen könnten. Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten liegt heute bei nur noch 12 Prozent. Gerade einmal sieben Prozent der Erwerbstätigen in der Privatwirtschaft gehören einer Gewerkschaft an. Zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte sind mehr öffentliche Bedienstete Gewerkschaftsmitglieder als Angestellte in der freien Wirtschaft. Die Gewerkschaften selbst haben bisher nicht überzeugend auf diese Herausforderungen reagiert und es ist ihnen nicht gelungen, Arbeiter in größerer Zahl gewerkschaftlich zu organisieren. Darüber hinaus haben sie es versäumt, ihr öffentliches Ansehen und ihre Legitimität mit Kampagnen zu stärken. Gleichzeitig feiern die Gewerkschaften einige politische Erfolge: Die Verabschiedung des US-Konjunkturpakets sowie der Gesundheits- und Finanzreform geht zu einem Großteil auf das Konto gewerkschaftlicher Lobbyarbeit. Sie waren auch bei Wahlkämpfen erfolgreich, die Demokraten zum Sieg verholfen oder progressive demokratische Herausforderer in innerparteilichen Auseinandersetzungen mit konservativen Amtsinhabern unterstützt haben. Neubesetzungen an der Spitze der beiden großen Gewerkschaftsdachverbände und transnationale Organisierungsbemühungen stellen kleine Hoffnungsschimmer dar. Ob sie das Überleben der US-Gewerkschaften sichern werden, ist momentan alles andere als entschieden.