Print 
Weltpolitik in der Turbulenz : Schlussfolgerungen für die deutsche Außenpolitik
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Weltpolitik in der Turbulenz Schlussfolgerungen für die deutsche Außenpolitik HANNS W. MAULL September 2010 Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise, die im Gegensatz zu vorherigen Krisen vom Zentrum der Weltwirtschaft ausging, hat die Politik zu beispiellosen Rettungspaketen gezwungen. Vieles spricht dafür, dass das Muster dieser Krise politische Steuerung im normalen Modus versagt, was nur noch durch extreme, kaum wiederholbare politische Maßnahmen im Krisenmodus abgewandt werden kann paradigmati­schen Charakter für die internationalen Beziehungen hat. Die neue, turbulente Weltpolitik ist durch drei Mega-Trends gekennzeichnet: Die Ab­lösung der Geostrategie durch die Geo-Ökonomik; die Mutationen der Sicherheits­problematik, die sich zunehmend in die Gesellschaften bzw. in den transnationalen Raum hinein verlagert, und das wachsende Gewicht und die zunehmende Verschär­fung der Konflikte zwischen unterschiedlichen Wertesystemen und Ideologien. Der Normalzustand der Politik unter den Bedingungen der Globalisierung ist eher die geteilte, gemeinsam wie einzeln erfahrene, wenn auch nur selten eingestandene Ohnmacht politischer Akteure, nicht etwa ihre Machtfülle. Paradoxerweise wächst aber in den Zeiten der Globalisierung mit der Ohnmacht der Politik auch ihre Verant­wortung. Kluge Machtpolitik wird unter diesen Bedingungen breit ansetzen und darauf hin­arbeiten, möglichst effektive und nachhaltige Strategien zur Bearbeitung der Chan­cen und Risiken zu entwickeln sowie breite Unterstützung einzuwerben und mög­lichst viele relevante Akteure für sie zu gewinnen. Dazu braucht es die Fähigkeit, Führung zu übernehmen und überzeugend zu legitimieren, indem Kompromissfähig­keit mit dem Bemühen verknüpft wird, wirklich effektive Koalitionen zu schmieden.