September 2010 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Europas unterschätzte Ungleichheit Michael Dauderstädt 1 Auf einen Blick Die Einkommensverteilung in der Europäischen Union(EU) ist viel ungleicher als die EU selbst angibt und ungleicher als etwa in Indien. Zwar ist ihre Messung schwierig, aber realistische Schätzungen zeigen eine erhebliche Ungleichheit, die aber seit 2005 abgenommen hat – trotz zunehmender Ungleichheit in den meisten Mitgliedsstaaten. Der Rückgang ist auf die Aufholprozesse in den ärmeren EU-Ländern zurückzuführen, die aber in der Finanzkrise ein jähes Ende erfuhren. Die Europäische Union(EU) hat sich in den Verträgen, auf denen sie beruht, das Ziel des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalts gesetzt. 2 Dieses Ziel wird gemeinhin so interpretiert, dass die EU einen Abbau der Einkommensunterschiede in ihrem Integrationsraum anstrebt. Ungleichheit zu reduzieren, ist – wie gerade neuere Studien wieder zeigen – ein wichtiges und richtiges Ziel, da Ungleichheit den Wohlstand und das Glück der betroffenen Bevölkerung stark beeinträchtigt. 3 Europas ungleiche Einkommensverteilung Nach mehreren Erweiterungsrunden seit 1972 besteht die EU aus Mitgliedsländern mit sehr unterschiedlichen Entwicklungs- und Einkommensniveaus: Neben kleinen, reichen Ländern wie Luxemburg(Prokopfeinkommen: ca. 60.000€/ Jahr) gehören der EU auch große, arme Staaten wie Rumänien (Prokopfeinkommen: ca. 2.900€/ Jahr) an. 4 Vergleicht man Regionen in Europa, so sind die Unterschiede zwischen der reichsten Region(wiederum Luxemburg) und den ärmsten noch etwas größer, da die ärmsten Regionen in Bulgarien(Severozapaden und Yuzhen Tsentralen) und Rumänien(Nord-Est of Macroregiunea doi) ein noch geringeres Prokopfeinkommen als der jeweilige nationale Durchschnitt aufweisen. 5 Bis 2007 nahmen die regionalen Einkommensunterschiede zu.
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