INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Der Medwedew-Faktor Russlands gewünschte Modernisierung REINHARD KRUMM September 2010 Die Präsidentschaft von Dmitrij Medwedew ist eng verbunden mit der Modernisierung Russlands. Darunter versteht er neben technischen und wirtschaftlichen Innovationen auch dringend notwendige Reformen des politischen Systems. Deshalb kann von einem Medwedew-Faktor gesprochen werden. Doch bisher ist es ihm nicht gelungen, die Gegner auf staatlicher Seite in sein Vorhaben einzubinden. Die Regierungsmacht in Russland steht erneut vor der Gretchenfrage: Wie soll das politische System reformiert werden, ohne dass es in Schwingungen gerät und ähnlich wie das der Sowjetunion instabil wird? Gelingt es Medwedew, dem von ihm initiierten Projekt zu einer breiten Unterstützung in der Elite und der Gesellschaft zu verhelfen? Die Motivation, Russland endlich von einem aufholenden zu einem agierenden, in sich selbst ruhenden Staat zu verwandeln, stammt aus den Folgen der Wirtschaftskrise. Die Gesellschaft erwartet vom Staat die Schaffung eines rechtsstaatlichen Rahmens für ein sozial gesichertes Leben. Doch die Regierung ist trotz öffentlicher Bekenntnisse nicht an einem öffentlichen politischen Diskurs über die Zukunft des Landes interessiert. So hat sich die Staatsduma, das Parlament, bisher einer Debatte um die Inhalte der Modernisierung entzogen. Außenpolitisch zeigt der Medwedew-Faktor bereits Wirkung. Sowohl die Beziehungen zu den USA als auch zu den neuen EU-Mitgliedsstaaten aus Osteuropa haben sich deutlich verbessert. Ein neuer START-Abrüstungsvertrag ist mit den USA unterzeichnet worden, die Modernisierungspartnerschaft mit der EU hat außenpolitische Priorität. Russland unter Medwedew steht eindeutig für eine Westorientierung.
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