November 2010 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Rente mit 67: Zwischen Demographie und Arbeitsmarkt Alfred Pfaller 1 Auf einen Blick Die alternde Gesellschaft kommt nicht umhin, entweder die Renten zu senken oder die Beiträge zu erhöhen oder länger zu arbeiten. Auch Eigenvorsorge ändert daran nichts. Aber jede der Lösungen ist problematisch. Rentenkürzungen brechen den ohnehin schon aufgeweichten Generationenvertrag. Beitragserhöhungen werden nicht mehr als Investition in die eigene Altersvorsorge gesehen. Die Rente mit 67 ist nur dann vernünftig, wenn es genügend Arbeitsplätze gibt. Vollbeschäftigung zu„anständigen“ Löhnen ist nötig, um massive Altersarmut zu vermeiden und die Rente mit 67 zu einer tatsächlichen Lösungsoption für das Rentenproblem zu machen, statt zu einer verkappten Rentenkürzung. Die Renten sind zum Problem geworden, weil die Zahl der Rentenempfänger pro 100 Beitragszahler seit Jahren immer größer wird. 1970 waren es in der BRD erst 45, 1992 waren es schon 55, heute sind es 69. Die Rentner sind immer älter geworden und haben somit das Bevölkerungskontingent über 65 anschwellen lassen, während die Zahl der beitragszahlenden Erwerbspersonen seit langem stagniert. In Zukunft wird die Zahl der Beitragszahler sogar signifikant zurückgehen, weil nicht genug Kinder geboren werden, um die aus dem Erwerbsleben Ausscheidenden als Beitragszahler zu ersetzen. Die Lebenserwartung dürfte hingegen weiter zunehmen, so dass die Zahl der Rentner nicht im gleichen Tempo zurückgeht wie die der Beitragszahler. Hinzu kommt derzeit noch, dass ein zu großer Anteil der Menschen im Erwerbsalter als Beitragszahler ausfällt, weil er ohne entsprechende Erwerbsarbeit ist. Weniger Rente, höhere Beiträge, länger arbeiten Die unvermeidliche Anpassung kann nur auf drei Wegen erfolgen: 1. Die Renten sinken, was den Abstand zu den Löhnen betrifft, 2. der für die Rente aufzuwendende Lohnanteil(samt den steuerfinanzierten Zuschüssen zur Rentenkasse) steigt, 3. die Menschen gehen später in Rente. Das Altern und Schrumpfen der Bevölkerung lässt Renten wie gehabt zu Beiträgen wie gehabt nicht mehr zu, wenn nicht immer länger gearbeitet wird.
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