INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Demokratische Anforderungen an eine europäische Wirtschaftsregierung Stefan Collignon Dezember 2010 n Die Eurokrise hat die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der wirtschaftspolitischen Steuerung in der Eurozone offensichtlich werden lassen. Die Logik einer gemeinsamen Währung macht es erforderlich, die makroökonomische Politikgestaltung auf EU-Ebene zu zentralisieren, denn sonst werden die Regierungen der Mitgliedstaaten immer das Gemeingut durch die Verfolgung von partiellen Interessen destabilisieren. n Die Zentralisierung der Politikgestaltung auf europäischer Ebene wirft die problematische Frage der Legitimität auf. Das Grundproblem der europäischen Governance ist ihr Demokratiemangel. Die von der Kommission und der Van-Rompuy- Task-Force sowie in französisch-deutschen Vorstößen unterbreiteten Reformvorschläge sind bürokratisch und undemokratisch. Mit ihnen sind zukünftig keine Krisen zu verhindern. n Alternativ könnte die Europäische Kommission in eine Europäische Wirtschaftsregierung umgewandelt werden, die durch den Rat und das Europäische Parlament demokratisch kontrolliert würde. Das Instrument zur Ausführung makroökonomischer Politik auf europäischer Ebene ist das im Vertrag von Lissabon neugeschaffene »ordentliche Gesetzgebungsverfahren«, das das europäische Sekundärrecht auf ein Mitentscheidungsverfahren unter Beteiligung von Kommission, Rat und Europäischem Parlament fußt. In diesem Beitrag wird ein Vorschlag unterbreitet, wie der Wachstums- und Stabilitätspakt unter einer demokratischen Wirtschaftsregierung funktionieren könnte.
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Demokratische Anforderungen an eine europäische Wirtschaftsregierung
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