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Vietnam am Scheideweg : Analysen einer Ökonomie auf dem Drahtseil
Entstehung
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PERSPEKTIVE Vietnam am Scheideweg Analysen einer Ökonomie auf dem Drahtseil HANSJÖRG HERR| RAINER STACHULETZ Dezember 2010 n Als Ergebnis der Reformpolitik des»Doi-Moi« hat Vietnam seit 1986 eine außeror­dentliche Wachstumsphase erlebt. Die Armutsrate konnte von 2003 bis 2008 von 58 Prozent auf 13 Prozent gesenkt werden. Trotz starken Bevölkerungswachstums wächst das Pro-Kopf-Einkommen kräftig. In 2009 wurde die symbolisch wichtige 1000 US-Dollar-Marke beim jährlichen nominellen Pro-Kopf-Einkommen überschrit­ten. In einem Warenkorb ausgedrückt liegt das Pro-Kopf-Einkommen bei rund 2900 US-Dollar und damit in der Welt auf Rang 165. n Das Rückgrat der Entwicklung in Vietnam ist eine intensive Investitionstätigkeit, die in erster Linie durch die Finanzierung staatlicher Unternehmen durch staatliche Banken auf hohem Niveau gehalten wurde. Ergänzt wurde dies durch einen dynamischen marktwirtschaftlichen Sektor insbesondere im Bereich der Klein- und Mittelunter­nehmen. Schließlich trugen auch stetig steigende ausländische Direktinvestitionen (ADI) zu diesem Wachstum bei. n Allerdings gefährdet das hohe Leistungs- und insbesondere Handelsbilanzdefizit die außenwirtschaftliche Stabilität und die inländische Nachfragedynamik. Die Au­ßenhandelsverflechtung Vietnams wird durch den Export von Rohstoffen und die Übernahme der Funktion einer verlängerten Werkbank gekennzeichnet. Vietnam realisiert seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation(WTO) im Jahre 2007 enorme Zuflüsse von ADI. Jedoch ein immer geringerer Teil fließt in technologisch anspruchsvollere Industrieproduktion, während im großen Stil in Immobilien- und Tourismusprojekte investiert wird. Die Gefahr einer Immobilienblase ist beachtlich. n Die allgegenwärtige Korruption führt nicht nur zu negativen Verteilungswirkungen, sondern gefährdet die Entwicklung einer kohärenten Entwicklungsstrategie und de­ren Umsetzung. Vetternwirtschaft und Korruption in Verbindung mit einer zuneh­mend ungleicheren Einkommensverteilung bergen sozialen Sprengstoff.