INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Das Korridormodell – relaunched Kurzversion KLAUS BUSCH Juli 2011 Die Grundidee des in den 1990er Jahren entwickelten Korridormodells ist die Wahrung des engen Zusammenhangs von ökonomischem und wohlfahrtsstaatlichem Entwicklungsniveau in den EU-Staaten. In Zeiten krisenbedingter radikaler Einschnitte in die sozialen Sicherungssysteme ist ein solcher europäischer Regulierungsansatz elementar. Mit diesem Konzept sollen darüber hinaus Sozialdumping zwischen den Staaten vermieden und sozialstaatliche Aufholprozesse der schwächer entwickelten Staaten ermöglicht werden. Das Korridormodell wurde ursprünglich mit Hilfe des Indikators»Sozialleistungsquote« entwickelt. Es lässt sich auf der Basis des Indikators»Sozialschutzausgaben pro Kopf in Kaufkraftstandards(KKS)«, der in einem extrem engen Zusammenhang zum»Pro-Kopf-Einkommen in KKS« steht, leichter darstellen. Statt mehrerer Korridore für verschiedene Einkommensgruppen von Ländern ist dann nur noch ein Korridor für alle Staaten erforderlich. Zwischen der Quantität des finanziellen Aufwandes und der Qualität der Leistungen besteht bei den verschiedenen Funktionen des Wohlfahrtsstaates ein enger Zusammenhang. Dies lässt sich empirisch auch für den Gesundheitssektor zeigen. Der quantitative Ansatz des Korridormodells steht damit nicht mit qualitativen Ansprüchen an den Wohlfahrtsstaat im Widerspruch. Auch die Kritik, das Korridormodell sei mit einer fortschrittlichen Wohlfahrtsstaatsphilosophie nicht zu vereinbaren, ist ein Missverständnis. Weder schreibt das Modell Höchstgrenzen für den Wohlfahrtsstaat vor, noch sanktioniert es diese.
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