August 2011 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Welche Politik brauchen die Verbraucher? 1 Michael Fischer, Stephanie von Hayek 2 Auf einen Blick Zehn Jahre nach ihrer Institutionalisierung in einem Bundesministerium steht die Verbraucherpolitik in Deutschland vor einer Neuorientierung. Auf zahlreichen Ebenen wird über eine Verbesserung ihres Leitbildes, ihrer Instrumente, ihrer Organisation, aber auch über ihre grundsätzlichen Ziele diskutiert. Letzteres droht jedoch immer wieder im kurzatmigen Tagesgeschäft unterzugehen. Im Zentrum sollte dabei nicht nur die Frage des Verhältnisses von Staat, Markt und Verbrauchern bzw. Bürgern stehen, sondern insbesondere die Frage, wie wir künftig in einer endlichen Welt und angesichts des Klimawandels leben, arbeiten und konsumieren wollen. Nach mehr als einem Jahrzehnt Liberalisierung und Privatisierung wird heute ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Staat, Verbrauchern und Anbietern wahrgenommen, von dem vor allem letztere profitieren. Globalisierung und technische Innovationen haben zwar viele neue Angebote geschaffen, von denen Verbraucher profitieren können, gleichzeitig jedoch die Komplexität des Marktgeschehens enorm gesteigert. Schließlich deuten endliche Ressourcen und fortschreitender Klimawandel an, dass bisherige Konsum- und Wirtschaftsweisen sich nicht dauerhaft fortsetzen lassen. Bei der Suche nach politischen Antworten auf diese Herausforderungen geht es um einen neu zu gestaltenden Aushandlungsprozess zwischen Staat, Unternehmen und Verbrauchern. Damit stellt sich sowohl die Frage nach der Quantität(„wie viel Staat?“), als auch die nach der Qualität staatlichen Handelns – insbesondere in der Verbraucherpolitik: Welche Ziele verbunden mit welchen Wertvorstellungen soll sie verfolgen? Wo liegen die originären Handlungsfelder der Verbraucherpolitik, welche Instrumente können wirksam in ihnen eingesetzt werden und welche Ressourcen werden dafür benötigt?
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