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Pflegekräfte aus Drittstaaten : betriebliche Integration und Arbeitsbedingungen im Fokus
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Michaela Evans-Borchers, Jenny Wielga, Peter Enste, Christoph Bräutigam Pflegekräfte aus Drittstaaten: Betriebliche Integration und Arbeitsbedingungen im Fokus AUF EINEN BLICK Die Arbeits-, Beschäftigungs- und Integrationsbe­dingungen von Pflegekräften aus Drittstaaten in Deutschland sind ein zentrales ethisches Gestal­tungsfeld. Dies erfordert ein Integrationsmanage­ment bereits vor der Ankunft, die verbindliche Regelung von Arbeits- und Lernzeiten sowie arbeit­nehmer_innenorientierte Standards für Vermitt­lungsagenturen. 1. PFLEGEFACHPERSONEN AUS DRITT­STAATEN: ANWERBEN, ANKOMMEN UND DANN? Unter dem provokanten VeranstaltungstitelAnkommen, An­werben, Anpassen! reflektierte die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) 2016 im Rückblick auf fünf Jahrzehnte die Migrations­erfahrungen koreanischer(damals) Krankenschwestern in Deutschland. Im Titel deuteten sich bereits zentrale Botschaf­ten der Tagung an: Gelingende Integrationsprozesse sind interkulturell geprägt, sie sind keine Einbahnstraße und er­fordern mehr als die Anpassungsbereitschaft migrierter Pfle­gefachkräfte(FES et al. 2016: 33ff.). Das Phänomen, dem Pflegenotstand in Deutschland durch die Anwerbung von Pflegekräften aus dem Ausland zu begegnen, ist nicht neu. Gleichwohl haben sich die Vorzeichen für die Zuwanderung von Pflegefachpersonen 1 in den Gesundheits- und Pflege­sektor verändert. So ist der gesellschaftliche, versorgungspolitische und be­triebliche Handlungsdruck in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, die Fachkräftelücke droht sich künftig zu vergrö­ßern(Statistisches Bundesamt 2024). Aufgrund akuter Fach­kräfteengpässe sind professionalisierte Leistungskapazitäten der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen eingeschränkt, zu­gleich stoßen familiale Sorgenetze an ihre Grenzen. Das Spek­trum der Zielländer für die Zuwanderung von Pflegefachper­sonen hat sich durch Vermittlungsabsprachen zwischen der Bundesagentur für Arbeit(BA) und einer Reihe von Dritt­staaten erhöht(Becker et al. 2023: 4). Mit dem novellierten Fachkräfteeinwanderungsgesetz(FEG, 18.8.2023) 2 wird das Ziel einer gesteuerten und flexibleren Arbeitsmigration aus Drittstaaten verfolgt, um dem hiesigen Pflegefachpersonenbe­darf proaktiver, organisierter und zeitnaher begegnen zu können. In diesem Kontext haben arbeitsmarktintermediäre und kommerzielle Akteure für Rekrutierungs- und Anwer­bungsprozesse im Gesundheits- und Pflegesektor an Bedeu­tung gewonnen(Wielga et al. 2023a). Aktuelle Kritik am novellierten FEG zielt u. a. darauf, dass zwar auf zeitlich beschleunigte und vereinfachte Verfahren der Anwerbung von Pflegefachpersonen aus Drittstaaten ab­gestellt werde, während zugleich aber strukturelle Rahmenbe­dingungen etwa die mangelnde Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums, unterschiedliche länderrechtliche Regelungen (insbesondere in Bezug auf die Anerkennung der beruflichen Qualifikation) oder bürokratische Hürden die praktische Umsetzung erschweren. Aktuelle Befunde zeigen, dass mehr als ein Drittel der nach Deutschland zugewanderten Fach­kräfte(hier: alle Berufe) mit dem Kontakt zur Ausländerbe­hörde, ihrem Einkommen sowie ihrer finanziellen Situation ziemlich bzw. sogar sehr unzufrieden sind. Zudem erfahren zugewanderte Fachkräfte nach eigenen Angaben nach An­kunft in Deutschland mehr Diskriminierung, als es noch im Ausland lebende auswanderungswillige Fachkräfte erwarten (Liebig/Huerta del Carmen 2024). In diesem Kontext ist zu konstatieren, dass die Lebens-, Arbeits- und Beschäftigungs­verhältnisse migrierter Pflegefachpersonen in Deutschland schon in der Vergangenheit eher wenig Aufmerksamkeit er­fahren haben(Kumpf et al. 2016). Und auch gegenwärtig wird argumentiert, dass beschäftigungs-, arbeits- und professionspo­litische Standards für gute Arbeits- und Beschäftigungsbedin­gungen migrierter Pflegefachpersonen(ver.di 2023; vdää 2023) ebenso wie Gestaltungsherausforderungen für professionelles pflegerisches Handeln vernachlässigt werden(DBfK 2018). Pflegekräfte aus Drittstaaten: Betriebliche Integration und Arbeitsbedingungen im Fokus FES impuls 1