8 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 22 Die Herausbildung des Steuerstaats in der Frühen Neuzeit Was ist nun dieser Steuerstaat? Steuerstaat bedeutet erst einmal nicht viel mehr, als dass der Staat sich hauptsächlich durch Steuereinnahmen finanziert. Dies ist heutzutage eine selbstverständliche Aussage und scheint nur bedingt anders vorstellbar – doch vor dem 16. Jahrhundert war dies in Europa keineswegs der Fall. Die Fürsten und die um sie herum gebildeten Vorformen von Staatlichkeit finanzierten sich vor allem durch die Erträge ihrer Ländereien. Abhängige Bauern mussten auf diesen ohne Bezahlung Zwangsarbeitsdienste leisten. Der einzige Gegenwert, den sie dafür im Abhängigkeitsverhältnis erhielten, war das Schutzversprechen des Fürsten. Steuern wurden fast nur im Kriegsfall erhoben und die Fürsten waren für deren Erhebung auf die Mitwirkung der Stände angewiesen. Im Vergleich zu Europa war die Steuererhebung im 10. Jahrhundert in islamischen Reichen und in China weit ausgeprägter und die Herrscher waren dort in der Lage, einen größeren Teil der gesellschaftlichen Wertschöpfung durch Steuern an sich zu ziehen. Dies lag darin begründet, dass die dortigen Herrscher über ein besseres Wissen über ihre Untertanen verfügten, mehr zentralisierte Militärgewalt aufgebaut und eine Bürokratie installiert hatten, die es ihnen ermöglichte, autokratischer als in Europa zu regieren. Sie konnten daher ihren Untertanen Mittel entziehen, ohne ihnen Partizipationsrechte zugestehen zu müssen. 4 Die europäischen Herrscher waren dagegen weit schwächer. Sie mussten darum partizipative Rechte zugestehen, die an antike Frühformen der Demokratie erinnerten, die es fast überall auf der Welt gegeben hatte. Diese Frühformen von Demokratie zeichneten sich unter anderem dadurch aus, dass die gewählten Ständevertreter von ihren Wählern auf festumrissene Programme und Aufgaben festgelegt wurden. Diese lokalen Gesellschaften konnten zentrale Entscheidungen durch Veto verhindern oder ihre Umsetzung im jeweiligen Gebiet verweigern. 5 David Stasavage, The Decline and Rise of Democracy. A Global History from Antiquity to Today, Princeton 2020, S. 12f. S. 17.
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Ohne Steuern keine Demokratie? : Vergangenheit und Zukunft eines engen Verhältnisses
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