Ohne Steuern keine Demokratie? 41 möglich war. Die hohe Eigenbelastung schien den Bürgern vertretbar, weil sie das Ausgabeverhalten der Stadt kontrollierten. Als sie diese Macht mit der Ausweitung des Wahlrechts an die städtischen Unter- und Mittelschichten verloren, nahm ihr Widerstand gegen das Steuersystem zu. Im Kanton Baselland zeigte sich im 19. Jahrhundert das dezentral-republikanische Bewusstsein agrarischer Landbesitzer, das der Einführung zentraler Steuern entgegenstand. Während in den USA die Landbesitzer die zentralisierte Einkommensteuer befürworteten, um die verhassten Zölle loszuwerden, stimmten die Agrarier im Kanton Baselland im 19. Jahrhundert durchgängig gegen die Einkommensteuer. Es gab also höchst unterschiedliche Konstellationen, unter denen progressive Einkommensteuern verabschiedet werden konnten. Vielleicht noch stärker als bei der Einkommensteuer offenbarten sich in der konkreten Ausgestaltung der Erbschaftssteuer die Machtverhältnisse zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und vor allem die tieferliegenden, dauerhaft wirksamen symbolischen Ordnungen einer nationalen Gemeinschaft. In Deutschland und namentlich in Preußen erwies sich die Machtposition des adeligen Großgrundbesitzes bis auf weiteres als nicht zu erschüttern. Der Adel sah in der Erbschaftssteuer eine weitaus größere Gefahr als in anderen Formen der Besteuerung, weil sie die Axt an die Weitergabe des Grundbesitzes zu legen drohte, auf der die langfristige Absicherung der Position der eigenen Familie beruhte. Dementsprechend liefen die Großgrundbesitzer Sturm gegen die Erbschaftssteuer mit dem Argument, dass sie die familiären Bande zerstören und einem exzessiven Individualismus Vorschub leisten würde. Die Sätze der Erbschaftssteuer blieben deswegen in Deutschland besonders niedrig. Direkte Nachkommen sowie Ehegatten hatten lange Zeit sogar keinerlei Steuer auf Ererbtes zu entrichten. Völlig anders verlief der Diskurs in den Vereinigten Staaten, wo es keinen adeligen Großgrundbesitz gab. Die USA verstanden sich als Leistungsgesellschaft, in der jeder durch eigene Arbeit und niemand allein aufgrund des Erfolgs vorheriger Generationen an die Spitze gelangen können sollte. Dementsprechend wurden Erbschaften sehr viel stärker als in Deutschland als unverdientes Einkommen betrachtet. Hinzu kam, dass eine langfristige ökonomische Machtkonzentration in den USA Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend als Bedrohung der demokra-
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Ohne Steuern keine Demokratie? : Vergangenheit und Zukunft eines engen Verhältnisses
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