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Gescheiterte Integration ist das Scheitern der Gesellschaft : Integration heisst: soziale Ungleichheit bekämpfen, nicht kulturelle Identität einebnen
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Nr. 1 . September 2011 S pu ta n n kt d Diskussionsimpulse und Konzepte des Landesbüros Hessen der Friedrich-Ebert-Stiftung Gescheiterte Integration ist das Scheitern der Gesellschaft Integration heisst: Soziale Ungleichheit bekämpfen, nicht kulturelle Identität einebnen Marc Phillip Nogueira* AUF DEN PUNKT GEBRACHT Integration ist in aller Munde. Die gute Nachricht ist: Zumindest wird jetzt über Integration geredet. Die schlechte Nachricht ist: Es wird von sehr vielen verschie­denen Dingen gesprochen, wenn von Integration die Rede ist. Sowohl in der Situationsanalyse als auch im Hinblick auf Ursachenforschung und die grundsätzliche Perspektive zukünftiger Integrationspolitik besteht Un­einigkeit. Dabei wird nicht beachtet, dass Migrantinnen und Migranten systematisch benachteiligt werden und oft keine Chance haben, ihre Situation aus eigener Kraft zu verändern. Gesellschaftliche Probleme lassen sich scheinbar einfacher mit einer anderen Kultur und Reli­gion begründen, als den strukturellen gesellschaftspoli­tischen Versäumnissen auf den Grund zu gehen. Wird der integrationspolitische Blick auf den Migrationshinter­grund reduziert, führt dies zu einer kleinteiligen Inte­grationspolitik, die Integration nicht fördert und soziale Widersprüche in Deutschland nicht lösen kann, weil sie deren Ursachen ausblendet. * Die Ausführungen und Schlussfolgerungen sind vom Autor in eigener Verantwortung vorgenommen worden. Wer integriert wen wohin? Kultur und Religion allein erklären nichts Integration ist eine verbreitete Forderung, bei der oft unklar bleibt was eigentlich gemeint ist. Meist bezieht sie sich auf Personen mit Migrationshintergrund und wird damit begründet, dass diese im Verhältnis zur Gesamt­bevölkerung übermäßig von Sprachproblemen, Bildungs­ferne und Arbeitslosigkeit betroffen seien. Tatsächlich leben Personen mit Migrationshintergrund überdurch­schnittlich häufig in sozial benachteiligten prekären Ver­hältnissen. Doch es ist ein Fehler, dies ausschließlich als ihr Eigenverschulden anzusehen. Vielmehr ist anzuerken­nen, dass diese Menschen systematisch durch wirtschaft­liche und soziale Strukturen in unserem Land benachtei­ligt werden und oft keine Chance haben, ihre Situation zu ändern. Gesellschaftliche Probleme lassen sich oft scheinbar einfacher mit einer anderen Kultur oder Reli­gion begründen, als mit den eigenen strukturellen gesell­schaftspolitischen Versäumnissen und Mängeln. Zieht z. B. eine muslimische Familie in ein ruhiges Mehrfami­lienhaus mit überwiegend einheimischen Mietern hö­heren Alters, so lassen sich etwa Unstimmigkeiten um Kinderlärm nicht zwingend auf kulturelle Unterschiede und Verhaltensweisen zurückführen. Es handelt sich un­ter Umständen eher um einen Generationenkonflikt. Trotzdem sind reflexartige Deutungen nicht selten, die den Migrationshintergrund als Auslöser sehen. Der Ver­weis auf Kultur oder Religion erklärt die Ursachen oft nicht, sondern verschleiert soziale Probleme.