PERSPEKTIVE Pakistanischer Frühling in weiter Ferne? Facebook, Blasphemie und vernetzte Zivilgesellschaft MARCUS MICHAELSEN September 2011 n Eine demokratische Konsolidierung Pakistans steht vor enormen Herausforderungen. Zentrale Hemmnisse hierfür sind die stagnierende wirtschaftliche Entwicklung, hohes soziales Spannungspotential und eine wandlungsunwillige Elite. Zudem ist eine politische Kultur der diskursiven Konfliktlösung und aktiven Partizipation an der Gestaltung von Gesellschaft bisher nur unzureichend ausgebildet. Dies bremst die Identifikation der Menschen mit dem politischen System. n In der pakistanischen Gesellschaft gewinnen religiös-extremistische Ideen an Einfluss. Die Ermordung von zwei säkularen Politikern Anfang 2011 stellt einen vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Will Pakistan einen authentischen Diskurs zu Demokratie und Menschenrechten entwickeln, ist eine inklusive öffentliche Debatte dringend notwendig. Dazu muss auch der politischen Vereinnahmung und Kommerzialisierung der Massenmedien entgegengewirkt werden. n Die politische Anwendung neuer Kommunikationstechnologien steht in Pakistan durch Entwicklungsdefizite bei Bildung und Infrastruktur noch in den Anfängen. Zurzeit hat Pakistan etwa 20 Millionen Internetnutzer. Dies entspricht knapp 11 Prozent der Bevölkerung – ein geringer Wert im Vergleich zu Iran(43 Prozent), Tunesien(34 Prozent) und Ägypten(21 Prozent). Aufgrund einer größtenteils jungen Bevölkerung verfügt Pakistan jedoch über ein großes Nutzerpotential. Bereits jetzt haben OnlineMedien und soziale Netzwerke der pakistanischen Zivilgesellschaft eine Plattform für Diskussion und Engagement eröffnet, um Fragen der grundsätzlichen politischen Ordnung zu erörtern.
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Pakistanischer Frühling in weiter Ferne? : Facebook, Blasphemie und vernetzte Zivilgesellschaft
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