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"Gender" und Rechtsextremismusprävention
Entstehung
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2| 2011 Expertisen für Demokratie Gender und Rechtsextremismusprävention * Wir brauchen einen Wertewechsel, der die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht in einen androgy­nen Konsumenten auflösen will, wir brauchen starke Männer und selbstbewusste Frauen, für die der Kinder­wunsch genauso selbstverständlich ist wie die Luft zum Atmen! Nur so wird es uns gelingen, der demographischen Katastrophe entgegenzuwirken. Flyer des Ring Nationaler Frauen (RNF; Frauenorganisation der NPD) Januar 2009 Die Kategorie Gender 1 sowie die Konstruktionwah­rer Männer undrichtiger Frauen ist in den rechts­extremistischen Strömungen sehr wichtig, wie das obige Zitat zeigt. Die Konstruktion einer spezifischen dichotomen Geschlechterordnung ist grundlegend für die rechtsextremeVolksgemeinschaft und stellt das Fundament des modernen Rechtsextremis­mus dar. Ein weiteres Beispiel für die Relevanz der Kategorie Geschlecht ist im Erziehungskonzept der seit April 2009 verbotenenHeimatreuen Deutschen Jugend(HDJ) zu finden. In den Zeltlagern dieser rechtsextremen Organisation wurden Kinder ab dem siebten Lebensjahr geschlechtergetrennt und mit paramilitärischen Methoden erzogen: Die Jungen sollten zurichtigen Kerlen und die Mädchen zu guten, deutschen Müttern werden. 2 Die Menta­lität derrichtigen Kerle artet oft in Gewalt aus. Rechtsextreme Gewalttaten werden fast ausschließ­lich(bis zu 90 Prozent(Möller 2010)) von jungen Männern begangen. Rechtsextreme Jugendszenen zeichnen sich oft durch die Zurschaustellung einer aggressiven Männlichkeit und eines offen nach außen getragenen Sexismus und Chauvinismus aus. Dass das ThemaGender ein fester Bestandteil von Rechtsextremismus-Prävention sein muss, liegt auf der Hand. Die Realität in Wissenschaft und Praxis sieht bislang anders aus: Jahrelang hat Gender weder als Analysekategorie noch in Form pädagogischer Konzepte eine Rolle in der Rechtsextremismus-Prä­vention gespielt. So konstatierten Pingel und Rieker in einer Studie des Deutschen Jugendinstitutes aus dem Jahre 2002 einen Mangel an geschlechterreflek­tierten Ansätzen in der Jugend- und generellen Prä­ventionsarbeit gegen Rechts. 3 Zwar wird schon seit längerem gefordert, Gender beispielsweise mit ge­schlechterreflektierenden(sozial)pädagogischen An­sätzen zu thematisieren, 4 in der sozialpädagogischen Präventionsarbeit und innerhalb der Erziehungswis­* Die Expertise entstand aus einem Inputreferat im Rahmen eines XENOS-Workshops vom 26. 27. Mai 2011. 1 Der englische Begriff Gender meint im Gegensatz zu Sex das soziale Geschlecht. In diesem Artikel werden Gender und Geschlecht synonym ge­braucht. Gemeint ist immer das soziale(hergestellte) Geschlecht. Geschlecht ist keine statische Kategorie. Der Herstellungsprozess ist ein fortlaufender, der sich u. a. auch in der Interaktion immer wieder materialisiert, realisiert, nie abgeschlossen und damit immer veränderlich ist. 2 Zur rechtsextremen Kindererziehung im Rahmen der HDJ vgl. Andrea Röpke 2007 3 Von den von Pingel und Rieker untersuchten Projekten beinhaltete keines geschlechterreflektierende Ansätze(Pingel, Rieker 2002). 4 Vgl.:Brave Mädels und echte Kerle? Theorie und Praxis von Geschlechterrollen im Rechtsextremismus Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin, am 23.1.2008 sowie Lehnert 2008. Forum Berlin Impressum| Herausgegeben von Dr. Ralf Melzer, Friedrich-Ebert-Stiftung, FORUM BERLIN| Text: Dr. Esther Lehnert| Redaktion: Susanne Stollreiter| Lektorat: Barbara Engels| © Friedrich-Ebert-Stiftung 2011| Hiroshimastraße 17| 10785 Berlin| Tel.+49(0) 30 26935-7309| Fax+49(0) 30 26935-9240| Gestaltung: pellens.de| ISBN 978-3-86872-872-9| www.fes-gegen-rechtsextremismus.de| FES GEGEN RECHTS EXTREMISMUS