FES impuls Angela Borgwardt Gleichstellung in der Wissenschaft Eine Stunde für die Wissenschaft Paper No. 8 Auf einen Blick Im deutschen Wissenschaftssystem ist Gleichstellung noch nicht erreicht, auch wenn in den letzten beiden Jahrzehnten verschiedene Förderprogramme und gleichstellungspolitische Maßnahmen zu Verbesserungen geführt haben. Dieses Defizit markiert nicht nur ein Gerechtigkeitsproblem, sondern bedeutet auch verschenkte Potenziale: Wenn in der Wissenschaft Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen und komplexe Probleme gefunden werden müssen, ist eine Vielfalt von Perspektiven, Prägungen und Hintergründen der Wissenschaftler_innen unverzichtbar. Diversität kann als wesentlicher Teil einer zukunftsfähigen Wissenschaft gelten, die Chancengleichheit mit Exzellenz verbindet. Im Papier werden Vorschläge gemacht, wie der Prozess der Gleichstellung beschleunigt werden könnte. Frauen im deutschen Wissenschaftssystem Im deutschen Wissenschaftssystem sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Nur etwa jede vierte Hochschule wird von einer Frau geleitet (23 Prozent) 1 und nur 20,5 Prozent der hochrangigen W3-Professuren haben Frauen inne – hier liegt Deutschland in sämtlichen Fächergruppen sogar noch unter dem europäischen Durchschnitt(EU-27: 26,2 Prozent). 2 Aller1 Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e.V. – Nationale Akademie der Wissenschaften(Hg.)(2022): Frauen in der Wissenschaft. Entwicklungen und Empfehlungen. Halle(Saale), S. 4, https://www.leopoldina. org/ fileadmin /redaktion/ Publikationen/ Nationale_ Empfehlungen /2022_ Leopoldina_Stellungnahme_Frauen-in-der-Wissenschaft_Web.pdf(22.9.2022). 2 Vgl. European Commission, Directorate-General for Research and Innovation(2021): She Figures 2021. Gender in Research and Innovation. Statisdings zeigen sich große Differenzen zwischen den Fächergruppen(40,1 Prozent in den Geisteswissenschaften, 14,3 Prozent in den Ingenieurwissenschaften). 3 Zudem erhalten Wissenschaftlerinnen für dieselbe Arbeit oft weniger Geld als ihre Kollegen(im Durchschnitt zwischen 200 und 650 Euro weniger bei W1- bis W3-Professuren). 4 Dieses Ergebnis steht in Diskrepanz dazu, dass in Deutschland inzwischen genauso viele Frauen(49,9 Prozent) wie Männer studieren und sogar häufiger ein Studium erfolgreich abschließen(51,7 Prozent); bei den Promovierten ist das Geschlechterverhältnis mit einem Frauenanteil von 45,2 Prozent noch nahezu ausgewogen. 5 Mit jeder Stufe der akademischen Karriereleiter verbleiben jedoch weniger Frauen an den Hochschulen(sog. Leaky Pipeline). Dies konterkariert das Bemühen, Frauen eine ihrem Bevölkerungsanteil entsprechende Präsenz in wissenschaftlichen Führungspositionen zu verschaffen. Die Schere geht vor allem in Disziplinen auseinander, in denen Studentinnen und Doktorandinnen stark vertreten sind, wie z.B. in den Sprach- und Kulturwissenschaften, während Fächergruppen mit hohem Männeranteil, wie z.B. die Ingenieurwissenschaften, einen konstant niedrigen Frauenanteil auf allen Qualifikations- und Karrierestufen aufweisen. 6 tics and Indicators, Publications Office, 2021, https://data.europa.eu/ doi/10.2777/06090(Abruf: 20.10.2022). 3 Gemeinsame Wissenschaftskonferenz(2020/2021): Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung. 26. Fortschreibung des Datenmaterials zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen. Heft 82, S. 6/85, 12/85. 4 Vgl. Professorinnen bei W-Besoldung im Nachteil, Forschung& Lehre, 29.11.2018, Quelle: Besoldungsranking des Deutschen Hochschulverbands, https://www.forschung-und-lehre.de/karriere/professur/professorinnen-beiw-besoldung-im-nachteil-1255(Abruf: 10.8.2022). 5 Vgl. Statistisches Bundesamt, Destatis(Zahlen für 2020). Vgl. https:// www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Tabellen/frauenanteile-akademischelaufbahn.html(Abruf: 10.10.2022). 6 Wissenschaftsrat: Fünf Jahre Offensive für Chancengleichheit von WisGleichstellung in der Wissenschaft – Eine Stunde für die Wissenschaft Paper No. 8— FES impuls 1
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