Norbert Walter-Borjans Erben verpflichtet! #FairErben Wer träumt nicht gern den Traum vom reichen Onkel in Amerika, von dem man nie etwas wusste, bis die Nachricht über die üppige Erbschaft kam und sich über Nacht ungeahnte Möglichkeiten eröffneten. Erben ist schön. Und etwas vererben zu können, ist es auch. Im Leben auch materiell etwas zu erschaffen, das man weitergeben kann – an die eigenen Kinder oder für einen(anderen) guten Zweck, ist ein verständlicher Wunsch vieler. vorzustoßen, ist äußerst schwer. Mehr noch: die privilegierte Gruppe der Erben setzt sich immer weiter vom großen Feld der Nichterben ab. Die fangen bei null an oder sogar darunter. Wenn sie nicht aufpassen oder sich nicht auskennen und deshalb Einspruchsfristen verstreichen lassen, können sie sogar erhebliche Schulden erben. Von einem Startpaket der Eltern oder sogar einer in die Wiege gelegten Zukunft ohne Geldsorgen kann für den Großteil der Menschen auch in Deutschland keine Rede sein. Erbschaft – für die meisten ein leider nie erfüllbarer Traum Wie schön wäre es, wenn alle Menschen die Chance dazu hätten! Leider bleibt beides – erben und vererben – für die meisten ein nie erfüllbarer Traum. Eine nennenswerte Erbschaft zu machen und später einmal selber eine nennenswerte Erbschaft hinterlassen zu können, ist besonders in Deutschland ein Luxus, der nur wenigen vorbehalten bleibt. In kaum einem anderen Industrieland ist Vermögen so ungleich verteilt, ist die Chance, ohne Erbschaft allein mit Arbeit zu Vermögen zu kommen, so gering wie hierzulande. Beim Erben oder Nichterben zeigt sich die wachsende Spaltung der Gesellschaft auf ganz eigene Art. Die Hälfte des jährlich vererbten Vermögens stammt nämlich bereits aus einer früheren Erbschaft. Wer erbt, hat bessere Startchancen. Erbinnen und Erben haben bessere Chancen, mehr zu verdienen als sie zum Leben benötigen. Sie können folglich viel leichter etwas zurücklegen. Damit wächst ihr Vermögen weiter. So können sie später noch mehr vererben als sie selbst schon geerbt haben. In die„Elite“ der Erben Rund die Hälfte der Bevölkerung erbt gar nichts. Aber auch in der Hälfte, die etwas erbt, gibt es keine Gleichverteilung. Der allergrößte Teil davon darf mit seinem Erbteil zwar durchaus auf einen Zuschuss für die eine oder andere Anschaffung hoffen. Das ist für sich genommen schon ein erfreuliches Privileg. An der Summe von schätzungsweise rund 400 Milliarden Euro, die jährlich vererbt oder vor dem Erbfall verschenkt werden, haben die„kleinen“ Erben aber nur einen geringen Anteil. Rund 50 Milliarden Euro entfallen allein auf das vermögendste Tausendstel der Bevölkerung. Auf weitere 150 Milliarden Euro – pro Jahr – bringen es die im Reichtums-Ranking nächsten 99 Tausendstel(oder 9,9 Prozent). Die Angehörigen der Top zehn Prozent unter den Erben dürfen auf ihre Lebenszeit bezogen einiges mehr als eine elterliche Kapitalspritze für den Erwerb einer eigenen Wohnung erwarten. Man könnte noch viele Zahlen aus der Statistik über Erbschaften und Schenkungen anführen, die zeigen, wie extrem die Ungleichheit beim Erben hierzulande ist – etwa die, dass in den Jahren 2009 bis 2020 40 Kinder unter 14 Jahren durch Erbschaft oder Schenkung jeweils mehr als 250 Millionen Euro
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