FES impuls Thorsten Faas, Anton Könneke THE RISE AND FALL OF POLLS? Präsenz und Präzision von Umfragen in volatilen Zeiten AUF EINEN BLICK Von der#Aufscholzjagd über die dringend benötigte„Trendwende“ bis hin zum sprichwörtlichen„Umfragekeller“, den es schleunigst zu verlassen gilt: Für Parteien ist die Entwicklung ihrer Umfragewerte ein zentrales Maß des(aktuellen) Erfolgs, insbesondere in Wahlkampfzeiten. Der Beitrag betrachtet drei Facetten rund um das Thema„Meinungsumfragen“ für die zurückliegenden vier Bundestagswahlen: Wie viele Umfragen gab es überhaupt? Wie dicht lagen die Umfragen an den letztlich resultierenden Ergebnissen? Und wie stark schwankte eigentlich alles über längere Zeiträume hinweg? EINLEITUNG Von der#Aufscholzjagd über die dringend benötigte„Trendwende“ bis hin zum sprichwörtlichen„Umfragekeller“, den es schleunigst zu verlassen gilt: Für Parteien ist die Entwicklung ihrer Umfragewerte ein zentrales Maß des(aktuellen) Erfolgs, insbesondere in Wahlkampfzeiten. Gerade in dieser Zeit bekommen die Umfragen der Meinungsforschungsinstitute von den Medien und der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit. Und doch bleibt das Verhältnis ambivalent: Rund ein Drittel der wahlberechtigten Deutschen sagte in einer Umfrage nach der Wahl 2017, dass Wahlumfragen zumindest hin und wieder manipuliert werden. 1 Auch von Politiker_innen wird die Demoskopie durchaus skeptisch gesehen: Circa 40 Prozent der Kandidat_innen für den Bundestag fanden bei einer Befragung 2017, Demoskopie und Politikberatung hätten zu viel Einfluss. 2 Der potenzielle Einfluss von Umfragen wird von einigen per se skeptisch gesehen, schließlich solle man doch aus Überzeugung und nicht im Lichte von Umfrageergebnissen Politik machen. Erst recht aber steigt die Skepsis, wenn der demoskopische Ein-fluss gar auf vermeintlich falschen Zahlen basiert. Beispiele für falsche Zahlen im Vorfeld wichtiger Entscheidungen fallen uns wohl allen ein: Trump und Brexit mögen an dieser Stelle als Stichworte genügen. Aber auch die Wahl in Sachsen-Anhalt im Juni 2021 wird gern als Beispiel für ein vermeintliches demoskopisches Versagen angeführt: Aus einem von einigen vorhergesagten Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD wurde am Ende ein haushoher Sieg Reiner Haseloffs und der CDU. Dass zu diesem Umschwung auf den letzten Metern des Wahlkampfs möglicherweise selbst Umfrageergebnisse beigetragen haben, deren Veröffentlichung Wähler_innen dazu veranlasst haben mag, ihr Wahlverhalten zu ändern, macht das komplexe Beziehungsgeflecht nicht einfacher. Grund genug jedenfalls, in diesem kurzen Beitrag einen Blick auf die Umfragetrends rund um die Bundestagswahl 2021 zu werfen. Wie viele Umfragen gab es überhaupt? Wie dicht lagen die Umfragen an den letztlich resultierenden Ergebnissen? Und wie stark schwankte eigentlich alles über längere Zeiträume hinweg? IMMER MEHR UMFRAGEN? Gefühlt sind Umfragen omnipräsent – aber sind sie im Wahljahr 2021 vielleicht sogar noch ein Stückchen omnipräsenter geworden als früher? In jedem Fall ist die Präsenz von Umfragen die notwendige Bedingung für jedwede Form möglicher Einflüsse. Wie also hat sich die Zahl an Umfragen in der „heißen“ Wahlkampfphase in den vergangenen Wahlkampfjahren entwickelt? Abbildung 1 zeigt die Zahl an Wahlumfragen in den jeweils letzten sechs Wochen vor den vier zurückliegenden Bundestagswahlen, die von großen Instituten veröffentlicht und von wahlrecht.de berichtet worden sind. Dabei zeigt sich ein ansteigender, aber keineswegs sich stetig fortsetzender Trend. Im Vergleich zu 2017 etwa ist die Zahl der Umfragen 2021 nicht weiter angestiegen. Eine gewisse Sättigung scheint erreicht – mit 43 Umfragen in sechs Wochen vor der Wahl(mit 42 Tagen) durchaus nachvollziehbar: Im Schnitt erscheint praktisch jeden Tag eine neue Umfrage(wobei es tatsächlich auch Tage mit zwei neuen Umfragen gibt, während andere Tage leer bleiben). THE RISE AND FALL OF POLLS?— FES impuls 1
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The rise and fall of polls? : Präsenz und Präzision von Umfragen in volatilen Zeiten
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