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Unternehmensgründung durch Frauen : das Ungleichgewicht in der Gründungsszene
Entstehung
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FES impuls Jessica Thelen Unternehmensgründung durch Frauen Das Ungleichgewicht in der Gründungsszene AUF EINEN BLICK Der Anteil der Gründerinnen innovativer Start-ups liegt in Deutschland bei lediglich 15,9 Prozent. Er­klärungen für diesen geringen Anteil weiblich ge­führter Unternehmensgründungen können sowohl persönliche als auch strukturelle Barrieren sein. Frauen werden oftmals nicht mit der Kompetenz einer Unternehmerin in Verbindung gebracht und haben es grundsätzlich in der männlich geprägten Gründungsszene schwerer. Sie sind weniger gut vernetzt und werden aufgrund geschlechterspezi­fischer Vorurteile von Investor_innen und anderen relevanten Stakeholder_innen benachteiligt. Unternehmensgründungen sorgen für wirtschaftliche Erneu­erung und treiben den Wettbewerb in einer Volkswirtschaft an. Gründungen mit innovativen Geschäftsmodellen beset­zen neue Märkte. Sie stehen für die Innovationskraft des Landes. Nicht zuletzt werden durch Markterschließungen neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen. Laut Schum­peter entstehen besonders in Krisenzeiten mit sinkendem Bruttoinlandsprodukt innovative Ideen und Geschäftsmodel­le durch Gründer_innen, die zum Aufschwung führen kön­nen(Kleinknecht 2016). Auch in der gegenwärtigen Pande­mie ist das zu beobachten. Neue Onlinegeschäftsmodelle so­wie Technologien für New Work und flexiblere Arbeitsmög­lichkeiten sprießen aus dem Boden. Zudem entwickeln Gründer_innen auf vielfältige Weise Lösungen für gesellschaftliche und wirtschaftliche Heraus­forderungen. Zahlreiche Start-ups bieten beispielsweise Technologien oder andere Lösungen für mehr Klima- und Ressourcenschutz an. Immer mehr junge Unternehmen ord­nen sich dem Bereich des Social Entrepreneurship zu, haben also nichtmonetäre, gemeinwohlorientierte Ziele als primä­ren Geschäftszweck. GRÜNDUNGSENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND Die Gründungsquote in Deutschland, also die Anzahl der Existenzgründungen bezogen auf die erwerbsfähige Bevölke­rung, ist in den vergangenen Jahren allerdings rückläufig. Be­gründet wird dieser Rückgang vor allem mit dem seit 15 Jahren anhaltenden Aufschwung am Arbeitsmarkt. Erst 2019 stieg die Gründungsquote wieder, von 1,06 auf 1,17 Prozent(insgesamt 605.000 Gründer_innen), da die gesamtwirtschaftliche Ent­wicklung schwächer war als in den vorherigen Jahren. Zudem sank die Zahl gemeldeter offener Arbeitsstellen. Wie Abbildung 1 zeigt, verzeichneten den Anstieg allerdings nur die Nebener­werbsgründungen. Im Jahr 2020 ist die Zahl der Existenzgrün­dungen erneut gesunken(Metzger 2021). Die Corona-Pandemie hat die Lage besonders für Start-up­Gründer_innen erschwert. Viele von ihnen stehen aufgrund des Einbruchs der Finanzierungen durch externe Kapitalgeber_ innen vor existenziellen Herausforderungen. Immerhin 29 Pro­zent der Business Angels bewerteten im ersten Quartal 2020 die Geschäftslage alsschlecht bissehr schlecht. Auf der an­deren Seite geht aus dem Startupdetector Report 2020 hervor, dass 2.857 Start-ups im Jahr 2020 in das deutsche Handelsre­gister eingetragen wurden 300 mehr als im Jahr zuvor. Die Top drei Branchen für Gründungen in den vergangenen Jahren sind Software, eCommerce und Medizin. Durch die Corona­Pandemie verzeichneten neben eCommerce auch die Branchen Lebensmittel und Bildung einen starken Zuwachs. Unternehmensgründung durch Frauen FES impuls 1