Druckschrift 
Digitale Transformation in der Sozialwirtschaft : von der Notwendigkeit einer eigenen Innovationskultur
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Klaus J. Zink und Harald Weber DIREKT 11/ 2021 DIGITALE TRANSFORMATION IN DER SOZIALWIRTSCHAFT Von der Notwendigkeit einer eigenen Innovationskultur AUF EINEN BLICK Die Sozialwirtschaft ist eine Zukunftsbranche, mit Blick auf ihre gesellschaftliche wie auch wirtschaft­liche Relevanz. Der Einsatz digitaler Technologien bietet auch hier großes Innovationspotenzial. Aller­dings weist die soziale Arbeit Spezifika auf, die eine andere Form der digitalen Transformation erfor­dern. Durch einen konsequenten Bezug auf ihr norma­tives Grundgerüst, die Orientierung ihrer Leistungen am Nutzen für die Gesellschaft und die Beteiligung aller vom Transformationsprozess Betroffenen be­steht die Chance, in der Sozialwirtschaft eine eigene Innovationskultur zu etablieren und zukunfts­fähige Organisations- und Angebotsstrukturen zu schaffen. 1 Die Pandemie hat gezeigt, welche herausragende Bedeutung soziale Arbeit für die Gesellschaft besitzt. Gerade in Krisen­zeiten sind die Leistungen der Sozialwirtschaft mehr denn je gefragt, sei es in der Pflege, in der Kinder- und Jugendhilfe oder in der Schuldner- und Suchtberatung. Ebenso hat sich gezeigt, dass eine Digitalisierung von Angeboten auch im Bereich der Dienstleistungen am und mit Menschen pandemie­bedingte Einschränkungen abmildern und kompensieren so­wie darüber hinaus stabilisierend wirken kann. Obwohl die Sozialwirtschaft in ihrer gesellschaftlichen Be­deutung wahrgenommen wird, gilt dies nicht gleichermaßen für ihre ebenfalls große wirtschaftliche Relevanz. So waren bspw. mit Stand 2014 ca. elf Prozent aller erwerbstätigen Personen in der Sozialwirtschaft beschäftigt, und ca. sieben Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung wurden dort erzielt(Ehrentraut et al. 2014). Der demografische Wandel wird voraussichtlich zu einer weiteren Steigerung der Rele­vanz der Sozialwirtschaft beitragen. Dennoch ist die Sozial­wirtschaft mit Blick auf die Förderung der Digitalisierung bislang unterrepräsentiert. SPEZIFIKA DER SOZIALWIRTSCHAFT Die Sozialwirtschaft besitzt eine große Vielfalt und Bandbreite an Betrieben und Organisationen, die soziale Dienstleis­tungen im Bereich des Sozialen(z. B. Hospiz- und Palliativein­richtungen bzw.-angebote, Schwangerschafts-, Erziehungs-, Sucht- und Schuldnerberatung, Schulsozialarbeit), in Kinder­und Jugendhilfeeinrichtungen, Werkstätten für behinderte Menschen, ambulanten und stationären Pflegediensten etc. erbringen. Sie weist gegenüber der Industrie oder anderen Wirtschaftsbereichen Spezifika auf, die bei der Umsetzung des Themas Digitalisierung Beachtung finden müssen. Wesent­liches Kennzeichen ist die Dienstleistungsarbeit mit und am Menschen zur Bearbeitung sozialer Problemlagen. Zum einen sind dort die Konstellationen aus Kund_innen bzw. Klient_ innen und Anbietern im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbe­reichen insofern komplexer, dass neben diese beiden Akteur_ innen zusätzlich noch Sozialleistungs- bzw. öffentliche Träger treten, die bspw. Kosten von Leistungen übernehmen und dazu Leistungsvereinbarungen mit Leistungserbringern ab­schließen(sogenanntes sozialrechtliches Dreiecksverhältnis). Zum anderen befinden sich Klient_innen oft in sozialen Problemlagen, in denen sie keine freie Auswahlentscheidung am Markt treffen können. Dies muss sich in geeigneten Angebots-, Umsetzungs- und Unterstützungsstrukturen ent­sprechend widerspiegeln. Gleichzeitig weist die Sozialwirtschaft vielfältige Verbands­strukturen auf(z. B. die Spitzenverbände der freien Wohl­fahrtspflege), die sich nicht immer förderlich für eine Zusam­menarbeit innerhalb und zwischen diesen Verbänden erweisen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die digitale Transformation der Sozialwirtschaft entsprechend >