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Warum hat Schweden in der Pandemiebekämpfung einen Sonderweg beschritten?
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DEMOKRATIE IM AUSNAHMEZUSTAND Warum hat Schweden in der Pandemie­bekämpfung einen Sonderweg beschritten? Christian Krell Schweden hat in der Coronakrise einiges anders gemacht als die meisten anderen Staaten Europas. Viele Länder Europas haben mit einem harschen Lockdown versucht, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Schulen, Geschäfte, Büros, Kinos und Gaststätten blieben ge­schlossen, mitunter war das Verlassen der eigenen vier Wände nur mit behördlicher Genehmigung möglich. Nicht so in Schweden. Verboten waren hier zwar Besu­che in Alten- und Pflegeheimen und Veranstaltungen über fünfzig Personen. Aber Kitas und Schulen blieben geöffnet, Geschäfte sowieso, auch kleinere Theater konnten ihre Programme aufführen, in den Clubs konnte weiter gefeiert werden, es bestand keine Maskenpflicht. Statt sanktionsbewehrter Verbote gab es vor allem Emp­fehlungen seitens der Regierung: Im Homeoffice arbei­ten, bei Krankheitsanzeichen zu Hause bleiben und an­sonsten viel an die frische Luft. Liberal, aber nicht blöd Was im internationalen Vergleich leichtfertig anmutet, wurde immer wieder intensiv begründet und auch diskutiert. Neben Regierungschef Stefan Löven war es vor allem der Epidemiologe Anders Tegnell, der erklärte, warum Schweden diesen Weg wählte. Ein weniger dras­tischer Kurs sei erstens effektiver, weil er länger durch­zuhalten sei als ein völliges Runterfahren des öffentli­chen Lebens. Die getroffenen Maßnahmen könnten nöti­genfalls über mehrere Jahre durchgehalten werden. Zweitens wurden die gesellschaftlichen Kosten von Schul­und Kitaschließungen angesprochen. Junge Familien und Kinder aus ehedem benachteiligten Gruppen hätten darunter besonders zu leiden. Diesen Preis wolle man nicht zahlen, zumal der Effekt für die Eindämmung des Virus durch die Schulschließungen unklar sei. Drittens dachte Tegnell immer wieder laut und öffentlich darüber nach, dass eine gewisse Ausbreitung des Virus Voraus­setzung für eine Grundimmunisierung der Bevölkerung und damit eine Eingrenzung des Virus sei, ohne dass eine Herdenimmunität das erklärte Ziel der Regierung war. Die Appelle an die Bevölkerung waren erfolgreich. Die Appelle an die Bevölkerung waren dabei erfolgreich: Daten des Google Mobility Report zeigen einen signifi­kanten Rückgang bei den Aufenthalten am Arbeitsplatz oder der Nutzung öffentlicher Transportmittel. Der Auf­enthalt in Parks ist demgegenüber deutlich angestiegen. Die Empfehlungen der Regierung scheinen von den schwedischen Bürgerinnen und Bürgern also ähnlich diszipliniert befolgt worden zu sein wie die Regeln in Ländern mit einem strengen Lockdown. Schweden hat in vergangenen Jahrhunderten durchaus drakonische Maßnahmen bei der Seuchenbekämpfung angewandt. Egal ob Pocken oder Cholera: Die Regierun­gen haben bei der Eindämmung von Krankheiten hart durchgegriffen. Strikte Quarantäne, Impfpflicht und energisches polizeiliches Handeln prägte die schwedische Medizingeschichte bis in die jüngere Vergangenheit. Seite 1